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Hora; seinen Romern sagen dürfen,daß sie die griechischen Muster nieaus den Händen lassen sollen, so kannauch ein Deutscher seine Mitbürgeran fremde Schulen verweisen.
Man würde es vergeblich leugnen,daß Oeutschland im Ganzen genom-men , in Ansehung des Edlen in demGcscbmak, bis ist noch weit, nichtnur hinter den Alten, sondern auchhinter mancher neuem Nation zurük-blcibe. Dieser Mangel ist in den re-denden Künsten noch weit fühlbarer,als in den andern. Die meistenDeutschen arbeiten für den Geschmakin den ersten Aufwallungeil eines ju-gendlichen Genies, und hören zu derZeit auf, da sie hatten anfangen sol-len. Selten bekommt man das Ge-fühl des Edlen in den Hörsälen derUniversitäten, und in dem Umgangmit der jüngeru Welt, welche zu leb-haft empfindet, um immer fein zuwählen. Eine edlere Art zu denkenund zu empfinden erlanget man ins-gemein erst alsdcnn, wenn man alleArten der sittlichen und ästhetischenGegenstände vielfältig und sehr öftersvor Augen gehabt, und den verschie-denen Ton ähnlicher Gegenstände ge-nau bemerkt hat.
Dieses sey nicht gesagt, um je-manden, der, noch nicht völlig reif,sich in redenden Künsten öffentlichgezeigt hat, zu tadeln oder zu belei-digen ; denn die Absicht dieser An-merkungen geht blos dahin, einigenunsrcr schonen Geister diese wichtigeErinnerung zu geben, daß sie, daes ein Hauptthcil ihres Berufs ist,einen edlen Gcschmak und eine edleSinnesart unter ihrer Nation aus-zubreiten, ein so wichtiges Werknicht eher unternehmen sollen, bis sieselbst diese schonen Würkungen derKünste an ihren eigenen Gcmüthernerfahren haben. Weder das Feuerdes Genies, noch eine lebhafte Ein-bildungskraft, noch starke Empfin-dungen, sind dazu hinreichend. Das
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feine Gefühl der besten Art zu han-deln und seine Empfindungen zu äus-sern, dieses Gefühl, das die, niedeutlich zu zeichnenden Gränzen, zwi-schen dem gemeinen und dem edlen,zwischen dem feinen und dem gro-ber», zwischen dem gezwungenenund dem natürlichen, sicher empfin-det, ist die Frucht eines langen undscharfen Nachdenkens, und eines sehranhaltenden Veobachtungsgeistes.
Nirgend zeiget sich aber der Man-gel des Edlen sichtbarer, als auf derdeutschen Schaubühne, wo es über-aus selten ist, daß ein deutscher Pa-triot, ohne roth zu werden, Leutevon feinem Geschmak unter den Zu-schauern erbliket; so sehr oft fallensowol die Dichter, als die Schau-spieler in das gemeine, und wol garin das pöbelhafte, oder auch in dasverstiegene und in das kindische.Wir haben also sehr große Ursache,die Alten und die besten der neuernAusländer noch nicht von der Handzu legen, sondern sie so lange zu Mu-stern zu nehmen, bis unser Geschmakeine reifere Ausbildung wird bekom-men haben.
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Den Begrif voni lLdlen hat He. Eber-hard in seiner Theorie der schönen Wissen-schaften S. 52. §. z8> zu bestimmen ge-sucht. — Von dem Edlen in den reden-den Künsten, handeln, unter mchrern,obgleich nur in Rücksicht auf Schreibart,Hr. Klopstock in der ersten Fortsetzung derFragmente über Sprache und Dichtkunst,Hamb. 1779. 8. S. 9. — Ant. Klein, inder Schrift vom Edlen und Niedrigen imAusdrucke, Mannh. 1781. 8. und imstenB. S. Z74 der tittcrarischen Chronik,Bern 1786. 8. — Chr. Adelung in f. W.lieber den deutsche» Styl, im ?ten Kap.des iten Bds. S. sc>6 der zten Aust. —Von dem Edlen in den bildenden Künstenhandelt, beylckufig, Hagedorn, in derivten Betr. S. 141 seiner Betr. über dieMahlercy. — Auch gehört, im Ganzen,A 4 das