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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
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ner Wahl zeugen, durch welche derKünstler das Vollkommene in jederArt dem Unvollkommenen! vorgezo-gen hat. Was nicht deutliche Spu-ren dieser Wahl an sich hat, ist inAbsicht auf den Gcschmak ein schlech-tes Werk. Das Unedle aber kannda gebraucht werden, wo Spott oderVerachtung zu crweken ist. Dazuhat Homer seinen Tkersites und somanchen unedlen Menschen unter denFrcyern der Penelope gebraucht;und aus dieser Absicht hat 25nttlerin seinem Hudibras nichts, als nie-drige und unedle Personen und Auf-tritte gewählt; beydes zeuget vonWahl und Geschmak. Aber wennPaul von Verona, wenn Rembrandund so mancher Niederländer in ernst-haften Vorstellungen Personen, dienichts verächtliches haben sollen,von niedrigen und unedlen Gesichts-bildungen, Gebehrdcn, Stellungenund Handlungen einführen, so istes Mangel der Wahl und der Em-pfindung des Edlen.

Daß auch Kenner dcr'Knnst.vonso vielen Gemahlden niederländischerMeister, darinn man das Edle ganzvermißt, mit großem Lobe sprechen,daß solche Stüke von Sammlern sehrhoch gehalten werden, beweist nichtsgegen den vorher angenommenenGrundsatz des Geschmaks. Manschätzet solche Werke dcßwegen, weildarinn Thcile der Kunst, nämlich dieHaltung und das Colorit in der Voll-kommenheit erscheinen.

Das Edle zeiget sich entweder inder Sache selbst, oder in der Art desVortrages; beydes muß immer zu-sammen scyn. Ein edler Gedankenkann durch einen schlechten Ausdrukverdunkelt werden, die edelste Hand-lung durch eine schlechte und geincineArt, viel von ihrem Werth verlie-ren; ein Gebäude von edlem undgroßem Ansehen, in so fern man esim Ganzen betrachtet, kann durchüberhäufte, gemeine und pöbelhafte

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Verzierungen schlecht werden. Dar-um sollen nicht nur edle Gegenstän-de gcwählet, sondern auch das Zu-fällige darinn ihrer edlen Natur rich-tig angemessen werden.

Jeder Künstler hat sich unaufhör-lich zu bestreben, seinen Geschmakund den sittlichen Thcil seiner Seeleimmer mehr zu vercdlen. Denn ob-gleich das Gefühl, wodurch wirschnell, und oft uns selbst unbewußt,das edlere dem gemeinern vorziehen,eine Gabe der Natur ist, so kann esdoch durch Ucbung und Studiumsehr gestärkt und allmahlig zur Ge-wohnheit gemacht werden.

Wer das Elük hat, von Jugendauf mit Menschen von feiuerm Ge-fühl und einer cdlcrn Lebensart um-zugehen, dessen Geschmak wird all-mahlig zu dem cdlern gebildet. Weraber von dem Glük diese Wohlthatnicht erhalten hat, der muß destoaufmerksamer das Genie und denGeschmak der besten Werke der Kunstalter und neuer Völker studircn.Mit Vorbcygchung aller Schriftstel-ler und Künstler, die nur einen zu-fälligen Ruhin, aus irgend einemmechanischen Thcil der Kunst, odernur einen vorübergehenden Bcyfallerhalten haben, muß er sich an dieersten und classischcn Männer jederArt halten; an die, die nicht blosbcy ihrer Nation, sondern bey allenVölkern, wo der Geschmak aufge-kommen ist, für die ersten in ihrerArt gehalten werden. Für junge,noch ungebildete Genies, wenn dieNatur sie nicht vorzüglich bedachthat, ist es allemal gefährlich, gutes,mittelmäßiges und schlechtes durcheinander zu lesen, oder zu sehen. Esgehört ein ausnehmendes Genie da-zu, sich nach schlechten Mustern zubilden, und gut zu werden.

Der deutsche Künstler hat vorzüg-lich nöthig, seinen Gcschmak durchfleißiges Studium der Alten, und dergrößten Auslander zu bilden. Hat

Hora?