Druckschrift 
Die Wahrscheinlichkeitsrechnung in ihrer Anwendung auf das wissenschaftliche und practische Leben
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

ie wichtigsten Fragen, die unsere geselligen Verhältnisse, un-ser Leben und uns selbst betreffen, lassen sich beynahe alle aufProbleme der Wahrscheinlichkeit zurückfuhren. Die meisten dermenschlichen Erkenntnisse sind nur Wahrscheinlichkeiten, und selbstin denjenigen, die uns Gewißheit gewähren, in den mathemali-schen Wissenschaften, sind die vorzüglichsten Mittel, zu dieserGewißheit zu gelangen, Analogie und Jnduetion, die sich beydewieder auf Wahrscheinlichkeit gründen. Wer endlich in den eini-gen und unveränderlichen Principien der Vernunft, der Gerech-tigkeit und der Humanität, selbst ohne ihren tieferen Grund zukennen, auch nur die Glücksfälle aufmerksam betrachtet, welchesie am beständigsten begleiten, wird sich von den Vortheilen,ihnen zu folgen, so wie von der Wahrscheinlichkeit der Nach-theile, die ihre Vernachlässigung beynahe immer nach sich zu izie-hen pflegt, bald überzeugen.

Alle Ereignisse, selbst diejenigen, die durch ihre Geringfü-gigkeit uns ganz zufällig und von den große» Gesetzen der Naturvöllig unabhängig erscheinen, sind doch ohne Zweifel eine ebenso nothwendige Folge derselben ewigen Gesetze, als es die Bewe-gung der Sonne und aller Körper des Himmels nur immer scynkann. Nur unsere Unkcnutniß des Zusammenhanges dieser Erschei-nungen mit jenen Gesetzen des Weltalls läßt uns die einen der-selben von bestimmten Endursachen, die andern aber von demblinden Zufalle abhängig machen, je nachdem sie in einer bestimm-ten und sichtbaren Aufeinanderfolge, oder aber ohne irgend eineuns bemerkbare Ordnung vor sich zu gehen scheinen. Die erwähn-ten, übrigens oft nur eingebildeten Endursachen werden all-mählig, wie sich die Gränzen unserer Kenntnisse erweitern,immer mehr und mehr zurückgeruckt und sie verschwinden nur

1 *