- öS -
Wir Sünder, die wir unS von Gott, dem reinstenLicht geschieden und in Werken der Finsterniß gelebthaben, sollten in die ewige Finsterniß, in den Psuhl derHolle geworfen werden, sollten da alles Lichts, alles Tro-stes unv aller Freude auf immer beraubt sein, nichtsals Ungnade und Zorn, Trübsal und Angst, Quaal undSchrecknisse empfinden; und dies alles, was sonst dieAuserwähltcn und Gläubigen ewig hätten leiden müssen,litt Jesus jetzt an ihrer Stelle. Alle bekannten und un-bekannten Leiden, deren eine menschliche Seele fähig ist,häuften sich unter dieser furchtbaren Finsterniß in der SeeleJesu. Die schreckliche Zornsfluth eines beleidigten Gottes,die sonst sein Volke würde getroffen haben, überschüt-tete jetzt den Bürgen, die Bäche Belials umringten ihn;der Fürst der Finsterniß drang mit seiner ganzen Machtauf ihn zu. Licht und Trost, Friede und Freude hat-ten ihn verlassen, Nacht und Finsterniß, Angst undTraurigkeit, Grauen und Entsetzen war in seiner Seele,wovon sein lautes Klaggeschrei zeuget, in das er am Endeder Finsterniß ausbrach; als er rief: Mein Gott,mein Gott, warum hast du mich verlassen?
II
Mit diesen Worten: Eli, Eli, lama asabthani,das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hastdu mich verlassen, in welche der Erlöser kurz vor sei-nem Tode am Kreuz ausbrach, fängt sich der 22. Psalman, worin die verschiedenen Leiden Jesu am Kreuz deut-lich und umständlich vorherverkündigt werden. Dieseräußerst merkwürdige Psalm öffnet uns einen Blick inJesu Herz am Kreuz und lehrt uns, was während demer amKreuze hing, in seiner heiligen Seele vorgegangen, waser gedacht, wie er sich mit Gott unterhalten, wie er ge-beten und geseuszet hat, wie schmerzlich er seine innereund äußere Leiden empfunden.
So lange die Finsterniß währetc, sagte Jesus keinlautes Wort, sondern kämpfte schweigend seinen inncrn