lichsten und verfluchtesten Kreuzestodes sterben. Sie sie,het die liebreichen Hände, die so viel Kranke gesund ge-macht, so viel Hungrige gespeiset und so viel Wunderzum Besten Anderer gethan hatten, seine Füße, die uner-müdet waren herumzugehen und wohlzuthun, diese seineHände und Fuße stehet sie mit Nägeln durchbohrt undan das Kreuz geheftet, und sie kann sie nicht losmachen.Sie stehet die Dornenkrone, womit sein Haupt zerrissen,und sie kann sie nicht von seinem Haupte wegnehmen,den Koch und Speichel, womit seine Wangen und holdse-ligen Lippen besudelt sind, und kann ihn nicht wegwischen;sie stehet ihn verwundet und blutend vom Haupte biszu der Fußsohle und kann sein Blut nicht stillen, seineWunden nicht verbinden und seinen Schmerz nicht lin-dern. Sie hört die schändlichen Lästerungen und Spöt-tereien über ihn, die Stimme der Kinder von Edom,welche schreien: Rein ab, rein ab! und darf seine Ehrenicht retten. Ach, was muß die fromme Maria in die-ser finstcrn Stunde gefühlt haben, das ist über alle Be-schreibung. Nur zärtliche Gemüther und solche unteruns, die Mütter sind und geliebte Kinder unter vielenSchmerzen haben vor ihren Augen sterben sehen, könnensich eine schwache Vorstellung davon machen, was jetztdie Maria empfinden mußte.
In diesem harten Kampfe und bittern Leiden sahsie Jesus unter seinem Kreuze stehen; vergißt seine eigneLeiden und sucht seine betrübte Mutter zu trösten. Ster-bend sorgt er für ihren Trost und ihre leibliche Verpfle-gung. Denn auch der leiblichen Umstände und Bedürf-nisse seiner Freunde nimmt Jesus sich besonders an undbeschert ihnen das Nöthige. Kommen wir seiner Ermah-nung nach, die er Mattb. 6, 33. gegeben: „Trachtet amersten nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit,"so können wir auch auf die Erfüllung seiner hinzuge-fügten Verheißung; „so wird euch solches alles zufallen"sichere Rechnung machen. Darum sagt auch Paulus,zu den Gläubigen: „Euer Wandel sei ohne Geiz; undlasset euch begnügen an dem, das da ist. Denn er hat