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Die Leiden Jesu während seiner Kreuzigung, in sieben Predigten vorgetragen, mit bes. Rücksicht auf die sieben Worte des Erlösers am Kreuz
Entstehung
Seite
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Menge, die um sein Kreuz herumstanden, aber er sahsie nicht mit gleicher Empfindung an. Seine treueFreunde, die er unter der Menge entdeckte, zogen seineAufmerksamkeit besonders an sich, auf ihnen verweiltesein Auge und er sähe sie mit innigem Mitleid, Liebe undWohlgefallen an. Er sähe nicht nur die äußerst be-trübte Gestalt seiner Mutter, sondern zugleich ihre ganzeGemüthsbeschaffcnheit, ihre Liebe und Treue gegen ihn;aber auch den tiefen Schmerz, der ihre Seele durchbohrte,die Traurigkeit und Wehmuth, wovon ihr Innerstes zer-schmolzen war. Denn jetzt traf es bei ihr ein, was ihrder alte Simeon, nach Luc. 2., kurz nach der Geburt ihresSohnes bei seiner Darstellung im Tempel vorherverkün-digt hatte, da er zu ihr sprach: Es wird ein Schwerdtdurch deine Seele dringen. Wie war David so außersich vor Traurigkeit, als sein treuloser Sohn Absalomumgekommen war, wie mußte nun der Maria am Kreuzeihres heiligen, vielgeliebten Sohnes zu Muthe sein. Mandenke sich eine zärtliche Mutter, die dazu eine Wittweist, wie Maria damals aller Wahrscheinlichkeit nach war,bei dem Tode eines einzig sehr geliebten Sohnes, der ihrTrost, ihre Freude und einzige Stütze und Hoffnung aufErden war, wenn sie den so grausam zu Tode marternsähe, mußte da ihr Herz nicht vor Schmerz und Trau-rigkeit zerreißen. Und hier stehet Maria, die fromme,liebevolle Mutter, den Sohn, den sie unter ihrem Her-zen getragen, dessen Geburt ihr ein Engel verkündigethatte, an dem der Vater im Himmel sein ganzes Wohl-gefallen hatte, über dessen Menschwerdung die himmli-schen Heerschaarcn frohlockten und der Erde glückwünsch-ten, den Sohn, an dem kein Böses war erfunden wor-den, der so große Wohlthaten und Segnungen unter denMenschen verbreitete. Elenden half und Traurige tröstete,den Sohn, der ihres Herzens Lust und Freude, ihreEhre und ihr Ruhm, ihr Trost und ihre Stütze war,den sieht sie sterben; und wie sieht sie ihn sterben? Ach,als den größten Bösewicht ficht sie ihn, mitten unterMördern und Missethätern, des schmerzlichsten, des schmäh-