- 27 -
Leiden, ist er auf dem Thron der Freuden den Sündern lieb-reich zugethan. Er hat sich das Recht und die Macht erwor-den, auch die unwürdigsten Sünder, die zu ihm ihre Zufluchtnehmen, ohne Anstand aus ihrem Verderben zu helfenund in sein Reich zu versetzen. Es war dem liebreichen Hei-land aber nicht genug, dem bußfertigen und gläubigenSchächer die tröstliche Versicherung zu geben, daß ernoch an seinem Todestage zu Christo in's Paradies kom-men werde, sondern um seine Hoffnung desto lebendiger,gewisser und freudiger zu machen, bekräftigte er seineVerheißung mit einem Eide und sprach: wahrlich,Amen; ich sage es dir, ich der treue und wahrhafteZeuge, der Herr des Paradieses, der König des Him-melreichs; ich sage es dir, heute wirst du mit mir imParadiese sein. Dadurch wurde sein zerbrochenes Herzverbunden und seine gebeugte Seele aufgerichtet, seinGlaube gestärkt und sein Sinn in die bevorstehende Freudedes Himmels eingeführt, wodurch ihm sein Leiden sehr .erleichtert wurde.
Wie selig war also jener Schächer, weil er geglau-bet hatte, wie wird er nun den gekreuzigten Heilanddurch alle Ewigkeiten preisen, daß er ihn, wie einen Brandaus dein Feuer gerissen hatte. O, daß sich doch auchin uns, die wir hier versammelt sind und dies wichtigeStück aus der Leidensgeschichte Jesu betrachtet haben,diese Eigenschaften, Gesinnungen und Empfindungen derwahren Bußfertigkeit und des lebendigen Glaubens anJesum finden möchten, die sich bei diesem Schächer fan-den! Dürfen wir nun noch wohl seine Begnadigung zurSicherheit in Sünden, zum Aufschub der Buße und zuder falschen Hoffnung mißbrauchen, auf dem Sterbebettemit einigen Seufzern Gnade bei Gott zu finden; dawir gehört, daß dieser Schächer nicht eher als nach vor-hergegangener Sinnesänderung, nicht anders als in derOrdnung der Buße und des Glaubens begnadigt wor-den ? Wer darin steht, gegen den wird sich JesuS eben so