alles auf und denkt allen Umständen nach, wodurch dieselbeerschwert und vergrößert worden. Er klagt sich selbstdarüber vor Gott an, und will nicht besser scheinen, alser wirklich ist. So lange ein Mensch seine Sünde zubemänteln, zu rechtfertigen oder zu entschuldigen sucht,sich über harte Schicksale beschwert, als ob die Vorsehungungerecht gegen ihn sei, ist er noch von wahrer Bußfer-tigkeit und Demuth, von Christo und der Vergebungseine? Sünden entfernt. Der bußfertige Schacher bekannte:Wir empfangen, was unsre Thaten werth sind. Er bil-ligte damit nicht nur das Betragen der weltlichen Obrig-keit, sondern auch das Gericht Gottes, der ihn wegenseines eitlen, gottvergessenen und lasterhaften Sinnes ansich selbst übergeben hatte, daß er in solche Greuelthatenversunken war, die ihn als ein Scheusal und Unmenschan's Kreuz gebracht hatten. Es ist leicht zu denken, daßsein Herz bei dieser lebendigen Erkenntniß seiner Straf-barkeit und der Gerechtigkeit Gottes mit Angst, Scham,Reue und Traurigkeit wird durchdrungen und zermalmtgewesen sein. Denn wie wäre es möglich, daß ein Mensch,der einen lebhaften Eindruck von der furchtbaren Ma-jestät und Strafgerechtigkcit Gottes bekommt und sichselbst, im Lichte des heil. Geistes, als ein gottloser Sün-der erkennt, nicht erschrocken, bekümmert und nach Gnadedegierig werden sollte. Es kann nicht anders sein, seinHerz ängstigt und betrübt sich in ihm; er fängt an nachGott zu trauern, nach seiner Gnade und Gemeinschaft,nach der Vergebung seiner Sünden sich zu sehnen; undGott, der den Tod des Sünders nicht will, der ihndurch seinen Geist bußfertig gemacht hat, leitet ihn auchzu der Erkenntniß seines Sohnes, als des Mittlers zwi-schen Gott und dem Menschen, bringt ihn durch seinenGeist zum gläubigen Zufluchtnehmcn zu ihm.
Dies that er auch nach dem Reichthum seiner Barm-herzigkeit an dem bußfertigen Schächer. Er verklärte dengekreuzigten Jesum, als den Heiland und Bürgen derSünde? in seinem Herzen und neigte es mit Glaubenund Liebe zu ihm hin, der für sich unschuldig war und