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und in seiner brüderlichen Liebe, die allgemeine Liebe ge-gen seine Nächsten darreichte, schloß er alle seine Feindein seine Fürbitte ein, wie nach ihm und in seiner Kraftsein erster Blutzeuge Stephanus auch that, wenn er fürseine Mörder betete: Herr, behalte ihnen ihre Sündenicht. Wobei dann aber nicht allein Stephanus, son-dern Jesus auch, als Mensch, seinen heiligen Willen undsein liebevolles Verlangen dem Rathe und Willen seinesVaters, den er in allem ehrte, stillschweigend unterwarf.
Wenn also Jesus für seine Feinde und Mörderbat: Vater, vergieb ihnen; so wollte er damit sagen:Strafe sie nicht, gerechter Vater, strafe sie nicht gleich indeinem Zorne; handle doch nicht auf der Stelle mit ihnennach ihrem Verdienst, und vergilt ihnen nicht nach ihrenMissethaten; trage sie noch mit Geduld und vergönneihnen noch Raum und Mittel zur Buße, daß sie in sichgehen, ihr Unrecht gegen mich erkennen und bereuen,im Glauben an den Früchten meiner Leiden Theil suchenund erlangen. Denn Jesus wußte wohl, daß sie so inihrer Unbußfertigkeit und in ihrem Unglauben die Ver-gebung ihrer Sünden nicht erlangen konnten. Er erflehteihnen also durch diese seine Fürbitte:
1. Zeit und Frist zur Buße; denn ihre Sündewar schrecklich groß, strafbar und himmelschreiend, daßohne diese Fürsprache Jesu, wohl eine schleunige Rache,über seine Feinde und Mörder würde erfolgt sein; dar-um bat er, aus Mitleiden gegen sie, daß Gott doch nochihrer schonen möchte, wie der Weingärtner in dem Gleich-niß Luc. 13. für den unfruchtbaren Baum, den der Herrabhauen und in's Feuer werfen wollte, bat: Herr, laßihn noch dies Jahr, daß ich ihn umgrabe und bcdünge.
2. So erbat Jesus auch seinen Feinden mit derZeit und Frist zur Buße und Sinnesänderung, die Mit-tel dazu, nämlich die Predigt des Evangclii und die Be-arbeitung durch seinen Geist, damit sie dadurch in denStand kommen könnten, der verdienten Strafe zu entge-hen und Barmherzigkeit vor Gott zu finden.
Dies alles erbat aber Jesus nicht allein seinen Fein-