Druckschrift 
Kurzgefaßte Beschreibung des Mondes : Ein Auszug aus der größeren Selenographie
Entstehung
Seite
109
Einzelbild herunterladen
 

109

Kolossaleres, und bei aller reizenden Mannichfaltigkeit gleichwohl so Regel-mäisiges aufzufinden doch schon vor dem ersten Viertel und bis nachdem Vollmonde hin ist alles dies verschwunden. Es war uns bei unserenMessungen von grofser Wichtigkeit, grade dieses llinggebirge in verschie-denen Phasen zu beobachten, und cs schien uns unglaublich, dafs eine sototale Veränderung Vorgehen könne, aber nie ist uns, trotz aller Müheund Beharrlichkeit, und trotz hinreichend genauer Ortskenntnis, die ge-ringste Spur dieses Ringgebirges in hoher Beleuchtung erschienen.

Überhaupt erscheint demjenigen, der nicht mit sehr starken Fern-gläsern und wiederholt diese Gegenden beobachtet, das Ganze sehr monoton,und frühere Beobachter haben dieser Gegend nie einer besonderen Auf-merksamkeit gewürdigt, ja Schröter sagt gradezu, sie eigne sich nichtfür feinere Untersuchungen. Dies ist indefs so wenig der Fall, dafs gradanur die feinsten, beharrlichsten und unter allen Umständen angestclltenBeobachtungen uns hier einigen näheren Aufschlufs gehen können, währendman in allen übrigen Gegenden schneller und leichter zum Ziele gelangt.Nichts in der Wissenschaft ist aufzugeben oder für unmöglich zu erklärenbevor nicht alle irgend ersinnliche Mittel wirklich erschöpft sind, undwir sind namentlich beim Monde noch so weit von der Grenze des Er-reichbaren entfernt, dafs im Gegentheile die rechte Arbeit, die freilichnicht das Werk des einzelnen Menschenlebens sein kann, noch erst begin-nen mufs!

§. 13S.

Eins der tiefsten und augenfälligsten dieser Ringgebirge ist Sant-bech, von 10 Meilen Durchmesser und 13242 Fufs tief, in einer Gegenddie zwar auf der Erde noch für gebirgig, hier aber vergleichungsweise6clion für eben gelten kann. Die Massen sind vereinzelt, aber doch ziem-lich hoch. Borda ist nicht ganz regelmäfsig, aber gleichwohl sehrkenntlich und gegen 9000 Fufs tief, im W. gränzt er an ein Hochgebirgedas seinen Wall noch beträchtlich überragt und mit 10340 Fufs Höhesteil zum Mare Foecunditatis abfällt. Noch viele kleinere Tiefen, die aberwie die gröfseren eine aufserordentliche Steilheit zeigen und ihren Schattengegen 80 Stunden lang bewahren, können hier wahrgenommen werden.

§. 139.

Unter dem 60. Grade westlicher Länge -zieht sich eine 150 Meilenlange Kette von grofsen Wallebenen fort, die indefs nicht, wie die ähn-liche Reihe auf dem mittleren Meridian (§. 37.) mit ihren Wällensich unmittelbar berühren, sondern nur durch niedrigere Zwischengliederverbunden sind. Man kann sie am besten zwei Tage nach dem Vollmondebeobachten: die Gelegenheit, sie bei zunehmenden Monde zu sehen, istnamentlich in nnsern Klimaten selten; übrigens ist es, bei zu- wie beiabnehmenden Monde, jedesmal nur eine bestimmte Nacht, wo sie ihrevolle Pracht entwickeln. Nur Langren, die nördlichste dieser Wallebe-nen, verschwindet im Vollmonde nicht gänzlich. Der Wall ist ein doppelter