liehmachcn eines schwierigen Tcrains; eine solche Absicht labst sich aberhei den Mondrillen nicht erkennen. Wozu übrigens die ansehnliche Breitevon mehreren tausend Fufs, wozu die hohen und steilen Wälle, wozudas Hindurchführen durch tiefe Crater?
Man vergesse nur nie, dafs cs eine Menge von Dingen glebt, diesich für uns gleichsam von selbst verstehen, und die wir, ihre Nothwen-digkeit von Kindheit an fühlend, uns nur schwer hinwegzudenken vermö-gen; die aber dennoch, genau geprüft, durchaus nur durch die speciellenVerhältnisse und Eigentümlichkeiten unsers Erdkörpers bedingt sind.Wir wohnen in Häusern— denn die Athmosphäre der Erde ist zu ver-änderlich und rauh, als dafs wir uns ohne dieselben fortdauernd Wohlbe-finden könnten. Wir bauen Strafsen — denn hei dem Gravitationsvcr-hältnifs unsrer Erde würde die Fortschaffung der Massen ohne solche zuschwierig, und unsre eigene zu sehr gehemmt sein. Wir errichtenDämme— denn ein Hauptbestandteil des Erdkörpers, das Wasser, ver-ändert seine Lage zu schnell und oft, als dafs es für den Menschen undseine Werke, in Ermangelung derselben, hinreichende Sicherheit gäbe.Wir führen künstliche Befestigungen auf— denn die Zeit des ewi-gen Friedens ist für unsre Erde noch uicht gekommen, und die der Un-schuld längst vorüber. —■ Wie wenig aber gehörte dazu, um ganz andreDinge an die Stelle der genannten treten zu lassen. Man vermindere inGedanken die Schwerkraft nur auf die Hälfte der gegenwärtigen, undweder der Mensch, noch irgend ein Thier oder Pflanze werden bleiben,was sie jetzt sind, kein Gewässer wird in den alten Bahnen fliefsen, undin seinem früheren Niveau sich erhalten, kein Bau, keine Maschine mehrnach den früheren Hegeln errichtet werden s alles wird eine andre Gestaltgewinnen. Bei allem, was wir in fremden Weltkörpcrn und selbst aufdem uns nahen Monde wahrnehmen, bleibt die wahrscheinlichste Ver-muthung immer, dafs wir ein Naturwerk vor uns sehen, oder dioKunst müfste dort nach einem so riesenhaften Mafsstahe arbeiten, dafs eralle unsre Begriffe überstiege. Wenn man vernünftige Wesen auf an-dern Wellkörpern annehmen will, 60 mufs man ihrer Vernunft auch Zu-trauen, dafs sie ihre Lebenseinrichtungeu der Naturökonomie ihres Wohn-orts gemäfs treffen, nicht aber sie von unsrer Erde entlehnen werden.
§, 46 .
Die Fragen über Stromsysteme, über die vermeintlichen Meerc,die Athmosphäre und die Vulkane auf dem Monde stehen im genaue-sten Zusammenhänge. Unsre athmosphärische Luft und jede andre Luftartdie wir kennen, ist strahlenbrechend und schwächt zugleich denIiindurchgehendcn Lichtstrahl, beides im Verhältnifs ihrer Dichtigkeit,wozu noch Temperatur und andere modifizirende Ursachen kommen. Ver-möge der Strahlenbrechung sehen wir z. B. die Sonne länger am Horizont,als wir sie aufserdem sehen würden, wie sehen ihren unteren Rand erstuntergehen, wenn der eigentlichen Richtung nach bereits der obere imUntergänge begriffen sein müfste, und so wird jeder Himmelskörper schein-