Druckschrift 
Kurzgefaßte Beschreibung des Mondes : Ein Auszug aus der größeren Selenographie
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 

39

tionsverhältnissen oft den eigentlichen ganz ähnlich erscheinen, wahrendunter veränderten Umständen nichts mehr von ihnen erkannt wird. Un-tersucht man die einzelnen Fälle genauer, so findet man den Grund immerin der eigenlhiimlichcn lokalen Beschaffenheit, nie in einer wahren physi-schen Veränderung. Der Apennin, so wie die den Sinus Iridum umgeben-den Gebirge, sind an solchen unvollkommenen Cratern besonders reich.

In der Nähe des Mondrandes sind besonders die kleinern Craternur schwer und nur unter günstigen Umständen wahrzunehmen. DerWall wird dann schon fast ganz im Profil gesehen und kann die Tiefefiir uns verdecken, so dafs es meistens unentschieden bleibt, ob man bloseinen einfachen Berg, oder einen Craterwall vor sich habe. Aber auchin andern Gegenden kann die Unterscheidung oft grofse Schwierigkeitenhaben. Ist z. B. die westliche Seite des Walles höher als die andre, sokann sie diese durch ihren Schatten verdecken, und wir sehen dann nureinen einzelnen, meist etwas gekrümmten Berg. Bei höherem Stande derSonne fällt nun zwar diese Schwierigkeit weg, oft aber tritt dann eineandre ein. Der niedrigste Theil des Walles verliert seinen Schatten ganz,während das Innere ihn noch behält, da nun Erhöhungen von sehr gerin-gen Dimensionen fast nur durch ihre Schatten erkannt werden können,so sieht man abermals nur die eine Seite. Endlich rückt die Sonne inden Meridian des Craters, und nun ist es möglich, dafs man gar nichtsan dieser Stelle wahrnimmt; während späterhin, wenn die Sonne von derandern Seile scheint, der Crater ganz und vollständig gesehen wird. Sokann man (da an ein regehnäfsiges Verfolgen solcher Erscheinungen vonNacht zu Nacht in unserm Klima fast nie zu denken ist) bei sechs- bisachtmaliger Beobachtung jedesmal etwas ganz Verschiedenes zu erblicke',glauben, ohne dafs die geringste wirkliche Veränderung mit dem Gegen-stände selbst vorgegangen sei; denn auch die verschiedue Libration kannmanche Unterschiede bewirken. Man sieht wie schwer und mifslich esist, über physische Veränderungen auf dem Monde zu urtheilen, und wiesehr es notlx tliut, zuvor alle Kräfte aufzubieten, um mit einer genauen ,Detaillirung der Mondlandschaften im Reinen zu sein, ehe an eine Wie-derholung der iS'cÄröterschen Untersuchungen, auf 1 esserer Basis, gedachtwerden kann.

§. 44 .

Die Craterreihen, deren Wälle an den Beriihrungsstcllen unterbro-chen sind, gewähren oft das Ansehen eines Canals, der sich zwischenzweien Wällen forlzieht, und so hängt die Form der Crater mit der dermerkwürdigen Rillen zusammen. Dies sind ncmlich wirkliche Spalten,die zwischen zwei steilen parallelen Wällen hinziehen und einen engen,oft Schnurgraden, meistens aber schwach gebogenen Lauf nehmen. Nurin einem einzigen Falle nimmt die Rille einen stark geschlängelten Lauf(die beim Ilerodot). Fast alle sind nur mit grofser Schwierigkeit sichtbar.Schröter entdeckte die ersten, mehrere andere hat Lohrmann gesehenund gezeichnet, doch die meisten sind erst bei Anfertigung unsrer Mond-