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sich allmälig zu geistiger Freiheit erhebt, genügt ihm nichtmehr ein dunkles Gefühl, die stille Ahndung von der Ein-heit aller Naturgewalten. Das zergliedernde und ordnendeDenkvermögen tritt in seine Rechte ein; und wie die Bil-dung des Menschengeschlechts, so wächst gleichmäßig mitihr, bei dem Anblick der Lebcnsfülle, welche durch die ganzeSchöpfung fließt, der unaufhaltsame Trieb, tiefer in denursachlichen Zusammenhang der Erscheinungen einzudringen.
Schwer ist es, einem solchen Triebe schnelle und dochsichere Befriedigung zu gewähren. Aus unvollständigenBeobachtungen und noch unvollständigeren Induktionenentstehen irrige Ansichten von dem Wesen der Naturkräfte,Ansichten, die, durch bedeutsame Sprachformen gleichsamverkörpert und erstarrt, sich, wie ein Gemeingut der Phan-tasie, durch alle Classen einer Nation verbreiten. Nebender wissenschaftlichen Physik bildet sich dann eine andere,ein System ungeprüfter, zum Theil gänzlich mißverstandenerErfahrungs-Kenntnisse. Wenige Einzelheiten umfassend,ist diese Art der Empirik um so anmaßender, als sie keineder Thatsachen kennt, von denen sie erschüttert wird. Sieist in sich abgeschlossen, unveränderlich in ihren Ariomen,anmaßend wie alles Beschränkte; während die wissenschaft-liche Naturkunde, untersuchend und darum zweifelnd, dasfest Ergründete von dem bloß Wahrscheinlichen trennt,und sich täglich durch Erweiterung und Berichtigung ihrerAnsichten vervollkommnet.
Eine solche rohe Anhäufung physischer Dogmen, welcheein Jahrhundert dem andern überliefert und aufdringt,wird aber nicht bloß schädlich, weil sie einzelne Jrrthü-mer nährt, weil sie hartnäckig wie das Zcugniß schlecht
A, v, Humboldt. KoSmoS, I, 2