126 Biographie.
Der Erfolg, den diese Aufklärungen über die dentsche Litteraturin allen gebildeten Kreisen von Paris hatten, veranlagte Heine schonim nächsten Jahre wiederum eine Reihe von Aufsätzen über die Ge-schichte der Religion und Philosophie in Deutschland für die „ksvusciss cisux roonciss" zu schreiben, die noch ein ungleich größeres Auf-sehen als jene erste Artikelserie erregten. Zu gleicher Zeit erschienbei Eugene Rendnel eine vollständige französische Übersetzung der„Reisebilder". Die maßgebende französische Kritik beurteilte die neueund originelle Erscheinung in eingehender und vorurteilsloser Weise;daß sie Heine „den witzigsten Franzosen seit Voltaire" nannte, warebenso begreiflich wie verzeihlich. Aber man kann wohl sagen, daßder Name des deutschen Dichters seit jenen Veröffentlichungen, dieHeine im Jahre 1835 unter dein Titel „vs l'^IIsunrAus" heraus-gab, genannt wurde, wenn man die besten der jungen Generationpoetischer Stürmer nannte. Der „Dichter des Mondes und derTanne" erregte in den Salons der jungen französischen Litteratur, gerechtes Aufsehen und wurde dort als Poet wie als Philosoph inbegeisterten Dithyramben gefeiert.
Mit einer seltenen Einstimmigkeit haben dagegen fast alle deutschenBeurteiler und Kritiker dieser Schriften Heines über die Geschichteder Religion, der Philosophie und schönen Litteratur in Deutschlandden Mangel gründlicher Kenntnisse und aller wissenschaftlichen Vor-bedingungen hervorgehoben und dem Dichter im günstigsten Fallezugegeben, daß er „mit einein wunderbaren Instinkt" da das Richtigetreffe, „wo die bloße Gelehrsamkeit fehlgegangen wäre". Indes dürftedies doch nicht so unbedingt zuzugebeil sein. Heine hat, so berichtendie glaubwürdigsten Freunde, viel mehr gelesen und studiert, alsseine Kritiker annehmen möchten; namentlich in seinen Studienjahrenwidmete er sich zeitweise mit regem Eifer wissenschaftlichen Forschungenund seine große Begabung, sein rasches Erfassen der schwierigstenMaterien ermöglichte ihm ein ungleich besseres und eindringlicheresVerständnis wissenschaftlicher Grundgedanken, als vielen seiner Studien-genossen. Man kann höchstens mit Berechtigung sagen, daß er keinedieser Disciplinen vollständig beherrschte, trotzdem aber intuitiv überdie bedeutsamsten Fragen philosophischer Erkenntnis schärfer undrichtiger geurteilt hat, als manche grundgelehrte Schulphilosvphen.Die Zunftgelehrsamkeit warf ihm allerdings vor, daß seine Unkenntnisin diesen Fragen „ebenso auffallend als beleidigend sei, da er mitebenso großer Bvnhomie und Zuversicht sein Urteil über das ab-giebt, was er nicht weiß, als über daS, was er weiß."
Eine Geschichte der Philosophie zu schreiben, lag freilich nicht inHeines Plan; er wäre dazu wohl auch nicht fähig gewesen. Was erbeabsichtigte, war: den Franzosen, welche keine, oder doch wenigstenskeine genaue Kenntnis von dem philosophischen Entwicklungsgang des