Biographie. 125
fleißige Hände waren damals bemüht, Fenster in die Außenwändezu brechen, welche den Franzosen seit zwei Jahrhunderten alleS poetischeLeben des Auslandes verbargen." Durch all diese Öffnungen drangennatürlich auch Übersetzungen und Bearbeitungen deutscher dichterischerund philosophischer Werke ein. Durch Madame de Stasl und Ben-jamin Constant wurde die Verbindung mit Deutschland angebahntund die Generation von 1830 begann vor den nordischen Barbareneinigen Respekt zu erhalten. Fast mit allen Männern jener neuenSchule kam Heine in persönliche und litterarische Beziehungen. Zuihnen gehörten Victor Hugo, Alfred de Vigny, A. Barbier, A. Dumas,Sainte-Benve, Prosper Merimse, Balzac, George Sand, Eugen Suc,I. Janin, Michelet, Mignet, Thiers, Quinet, Berlioz, Halevy, Adam,Robert, de la Roche u. a. Und dazu waren auch die etwas älterenAlfred de Musset, Emil Girardin, Louis Blanc, I. Sandean, TheophilGautier, Gerhard de Nerval, Alphonse Karr u. a. zu rechnen, welchean jener mächtigen Bewegung teil nahmen, der sich auch Heine mitvoller Begeisterung anschloß, so weit sie seinen eigenen Idealen undAnschauungen entsprach.
Es mußte daher für ihn von besonderein Werte sein, seine Werkejener stürmenden Generation vorführen zu können. Und in der Thaterregte der deutsche Poet mit seiner „Harzreise", dem Buch „LeGrand" und den „Bädern von Lucca" großes Aufsehen, als dieseSchriften in einer guten französischen Ubersetzung, freilich nur aus-zugsweise, in der ,Ugvns ciss cisux raonciss" erschienen.
Noch größere Bedeutung gewann Heine, als im April 1833 derVerleger der ganzen neufranzösischen Romantik, Eugene Renduel,eine Übersetzung seines BucheS „Französische Zustände" herausgab.Man fing nun" an, auch in weiteren Kreisen dem deutschen DichterBeachtung zu schenken, man beurteilte und bekämpfte seine Ansichten undstellte ihn neben die beiden deutschen Dichter, die im jungen Frankreicham bekanntesten waren — neben Goethe und E. T. A. Hoffmann.
Natürlich beeilten sich die großen Journale und Zeitschriften,einen so originellen Schriftsteller als Mitarbeiter zu gewinnen, undder Herausgeber eines großen nenzubegründenden Blattes, der,bluroxs litüsrairs" wußte durch bedeutende Honoraranerbietungenihn an sein Unternehmen zu fesseln. Er veranlaßte Heine, eine Reihevon zusammenhängenden Essays über die neuere deutsche Litteraturfür jeneS Blatt zu schreiben und Heine kam dieser Aufforderung umso bereitwilliger nach, als sich ihm dadurch willkommene Gelegenheitbot, sein „Programm der neuen Litteratur" aufzustellen und dielitterarische Vermittlung zwischen Deutschland und Frankreich an-zubahnen. Selbstverständlich gab er diese Aufsätze zugleich auch indeutscher Sprache heraus, da sie ja für Deutschland nicht weniger alsfür Frankreich berechnet waren.