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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
124
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124 Biographie.

Vorwürfe wegen eines „schlechtsitzenden Charakters" wachte, da er-innerte ihn dieser in einem sehr interessanten Schreiben an seineeigenen Wandlungen und Wanderungen mit den St. Simonistcn.Es ist wichtig, zu konstatieren, daß auch Liszt in diesem Schreibendie „ernste Intention" Heines anerkennt und würdigt, einer Über-zeugung, die „alle reizenden Scherze durchdringt" und ihn gegenseinen Willen zu einer ernsten Antwort veranlaßt, und daß er Heinefreudig von denjenigen ausschließt, „welche in ihrem Egoismus ,gutsitzen', welche die Augen ihres Herzens und Verstandes schließen undnur ihrem Gaumen und Magen zu leben scheinen."

Liszt beurteilte also damals schon Heines Intentionen und Über-zeugungen richtiger, als seine deutschen Kollegen, die ihm den Vor-wurf der Spekulation auf die Lorbeeren Voltaires machten. AlsAlexander Dumas (Vater) hörte, daß Heine in Deutschland nichtgebührend gewürdigt werde, rief er aus: „Wenn Deutschland vonHeine nichts wissen will, so adoptieren wir ihn gern als den Unfern;aber Heine liebt Deutschland leider mehr, als dasselbe es verdient."Und so war es auch. Er verteidigte den Franzosen gegenüberDeutschland stets auf das Lebhafteste und Wärmste und seine Be-teiligung an der französischen Litteratur entsprang zunächst aus demWunsche, der Vermittler deutschen Geistes in Frankreich zu werden.Den ersten Anlaß hierzu bot ihm der Antrag eines französischenSchriftstellers, Loeve-Weimar, einen Teil der „Reiscbilder" in fran-zösischer Übersetzung zu publizieren. Heine erklärte sich um so freudigerdazu bereit, als dieser Antrag ja mit seinen eigenen Wünschet: zu-sammentraf und da der Moment für ein solches Unternehmen damalsbesonders günstig schien. Stand ja doch zu jener Zeit die neusrau-zösische Romantik in ihrer vollsten Bliite und ihre philosophische wiedichterische Entwicklung hatte etwas von dem Sturm und Drang insich, der mich in der jungen Generation deutscher Schriftsteller wogte.Mit der deutschen Romantik hatte die neufranzösische aber nur einegeringe Ähnlichkeit, insofern sie gleichfalls eine Revolution gegen denKlassizismus des vorigen Jahrhunderts bedeutete.

Und in diesem günstigen Lichte sah wohl auch Heine jenelitterarische Bewegung an, deren Grundideen und Ziele soviel Gemein-sames mit seinen eigenen Ideen und Tendenzen hatte. Der revolutio-näre Trieb, der den Krieg gegen das Christentum aufnehmen, deralles Überkommene in Moral und Sitte vernichten und alle poetischenTraditionen zerstören wollte, mußte Heine besonders sympathisch sein.Und nicht minder sympathisch mußte ihm der positive Teil des Pro-gramms der neuen Schule sein, der eine neue Religion der Kunstund der Freiheit verhieß. Dazu kam noch, daß die ganze geistigeStrömung jener Epoche mittelbar von Deutschland ausging und sichan verwandte Bestrebungen in Deutschland anlehnte. „Hundert