Druckschrift 
1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

Biographie. 121

Eine ganz besondere Anziehungskraft übte er ans Jünglinge undFrauen ans. Scharenweise strömte die Menge nach der rns Iburg,uns,Ivo ein Kollegium der neuen Schule errichtet worden war, in demEnfcmtin und Bazard ihre zündenden Vorträge hielten. Einen nochgrößeren Aufschwung nahm die Schule nach der Julirevolution, derenErfolge der schlaue Apostel natürlich für sich ausbeutete; inmittender politischen Stürme hatte Enfantin ein Manifest erlassen, inwelchem er die Abschaffung des Erbrechts und die Befreiung desWeibes verlangte; der Saal in der rus Rarunns wurde bald zu eng,es wurden also drei andere Hörsäle eröffnet und eine förmlicheHierarchie eingerichtet. Enfantin und Bazard waren die Hohenpriester,die den „obersten Vater" in zwei Personen darstellten; neben ihnenstand „das Kollegium der Bäter" oder Apostel, denen sich die Schülerersten, zweiten und dritten Grades, sowie die Novizen, „Besucher"genannt, anschlössen. Bald darauf jedoch wurde die Verfassung ge-ändert: Aus der Lehre wurde eine Religion, aus der Schule eineFamilie, in der die Idee der Gütergemeinschaft in Theorie und Praxisausgeführt wurde. Ein gemeinsamer Haushalt fand statt; eine großeAnzahl von Werkstätten wurde allmählich errichtet, in denen sichgegen viertausend Arbeiter einfanden. In fünf St. SimonistischenSchulen wurde die Erziehung nach Neigung und Talent geleitet.Mitte des JahreS zählte die neue Religion über 4l)()lZ(> Gläubige.

Die beiden Hauptdogmen der „Familie" waren damals die Ab-schaffung des Erbrechts und die Emancipation der Frau. Spätertrat dann noch als dritter Glauben jatz das Dogma von der Wieder-herstellung deS Fleisches hinzu, welches dann freilich die ganze Kirchesofort ihrer raschen Auflösung entgegenführte.

Die Gleichheit, welche das Christentum lehre, so verkündigte En-fantin, müsse nicht erst im Himmel, sondern schon hier ans Erdenausgeführt werden; daß die Erde aber nicht unter der Herrschaft desBösen bleibe, sondern unter die des Guten komme, das könne nurdurch Rehabilitation des Fleisches erreicht werden. Das Christentumhatte das Fleisch verdammt und sich dadurch der Welt entfremdet,in der deshalb das Böse zur Herrschaft gekommen sei. In pro-phetischen Visionen, in phantastischen Predigten, in begeisterten Auf-sätzen wurde dieses verhängnisvolle Dogma gelehrt; „man würdeMänner und Frauen sehen", verkündete ein kühner Apostel, „die ineiner ungenannten Liebe geeint wären, in einer Liebe, die wederErkaltung noch Eifersucht kenne; Männer und Frauen, die sichmehreren hingäben, ohne je aufzuhören einander anzugehören, undderen Liebe im Gegenteil wie ein göttliches Gastmahl wäre, das anPracht zunähme, je größer die Zahl und die Auswahl der Gäste."Als aber diese Lehre thatsächlich zur Ausführung gebracht werdensollte, zumal als des „Baters" Bazard eigene Frau mit inS Spiel