Biographie. 98
für den Namen, für die Repräsentation habe ich ans Rothschild einenguten Kreditbrief nötig." Das leuchtete dem praktischen Onkel einund er gab dem Neffen in der That außer einem ansehnlichen Reise-geld auch noch einen Kreditbrief von 409 Pfund Sterling „zur Re-präsentation" und eine warme Empfehlung an den Baron Rothschildin London mit. Die Abschiedsworte des Onkels lauteten: „DerKreditbrief ist nur zur formellen Unterstützung der Empfehlung, mitdeinem baren Neisegelde wirst du schon auskommen. Auf glücklichesWiedersehen!"
Heine wartete iber gar nicht erst die Eventualität des Nicht-auskommens ab — er war kaum vierundzwanzig Stunden in London,als er sich bereits auf dein Comptoir Rothschilds mit seinem Kredit-brief präsentierte und die 499 Pfund ohne jedeS Bedenken einstrich.Dann machte er dem Chef dcS Hauses, Baron Nathan Mayer vonRothschild, seine Bisitc und wurde natürlich von demselben zu eineingroßen Diner eingeladen.
Abermals saß Salvmon Heine eines schönen Mvrgens gemütlichbeim Kaffee und öffnete die von London eingelaufenen Geschäfts-briefe. Es war gerade soviel Zeit seit der Abreise des Neffen ansHamburg verstrichen, als die nächste Post ans London zur Meldungseiner glücklichen Ankunft daselbst nötig hatte. Der erste Brief, dener öffnete, war die Anzeige von Rothschild, daß er das Vergnügengehabt, seinen berühmten, scharmanten Neffen persönlich kennen zulernen, und die Ehre genossen, demselben den Kredit von 499 Pfundzu bezahlen. „Die Pfeife fiel dein Alten ans dem Munde", so er-zählt Maximilian Heine, „hoch sprang er von seinem Lchnstühl aufund rannte mit dem Schaum vor dem Munde in dem Zimmer aufund ab. Die gute Tante sah erschrocken auf ihren Mann, der nurvon Zeit zu Zeit die Worte ausstieß: „Der Teufel hole Rothschildmit seinem Vergnügen und samt der Ehre, die er gehabt hat, meinGeld auszuzahlen!" Dann wandte er sich zu seiner Frau: „Ich sagedir, Betty, der kann mich ruinieren."
Man wird es nun begreifen, daß Heine in London sehr an-genehm lebte und daß er trotzdem noch 899 Thaler an Varnhagensandte, damit dieser ihm „den kleinen Zehrpfennig" für seine Schuldenin diesem irdischen Jammerthal und für etwaige unvorhergeseheneAusgäben aufbewahre. Ja, er behielt sogar noch soviel Geld übrig,um nach der Rückkehr von London vierzehn Tage abermals in Nor-derney und — da es ihm diesmal dort nicht sonderlich gefiel —mehrere Wochen auf der einsamen Insel Wangeroge zu verleben.
Trotzdem hatte er in vorsorglicher Weise schon von London ansan Varnhagen die Bitte gerichtet: „Wenn Sie in Korrespondenzmit Cotta sind, so fragen Sie ihn doch, o.b er mich für sein Morgen-blatü hier oder in Paris beschäftigen will Versteht sich von