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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
94
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Z4 Biographie.

nahm, die wie heilige Donner überdie ganzeErde rollten und inder Hüttedes ZNexikancrs wie des Hindu ein tröstendes Echo zurückließen."

Und auf der Galerie der St. StePhauSkapelle erinnerte ancher sich, daß er jetzt einen ungeheuren Anhang und Popularität inDeutschland gewonnen, daß er jetzt Niel thun könne und eine weithinschallende Stimme habe. „Du sollst sie noch oft hören", schreibt eran Moser, „donnernd gegen Gedankeuschergen und Unterdrückerheiligster Rechte." Und wer wird es dem jungen frcihcitsbegeistertcnPoeten verargen, wenn er im Rausch des Jubels über die RedenCannings sich zu der Hoffnung emporschwingt, daß er „eine ganz extra-ordinäre Professur in der Universitas hoher Geister" erlangen werde!

Außer dein politischen und öffentlichen Leben fesselten Heinevornehmlich zwei „hohe Geister" an England, Shakespeare und WalterScott, deren Spuren er überall nachgeht. In den Betstuben vonLiverpool und Manchester, wie in den fashivnabeln Salons von West-London treten ihm die Gestalten der Dichter in ihren alten Trachtenentgegen, und die Erinnerung an Shakespeare verfolgt ihn währendseines ganzen Aufenthaltes in London.

Daß Heine aber nicht nur die Höhen der Poesie erstieg, sondernanch dcS öftern in die Niederungen des englischen Lebens hinunter-stieg und dasselbe gründlich kennen lernte, beweisen verschiedenegelegentliche ReininiSceuzcn an den Aufenthalt in London, lind esist kein Wunder, wenn Heine einem Freunde die Versicherung gicbt:„England hat mich in finanzieller Hinsicht zu Grunde gerichtet."

Fragen wir aber, woher Heine die Mittel nahm, nur den teurenAufenthalt in London und einen vierzehntägigen Ausflug nach dembekannten Seebade Ramsgate bestreiten zu können, so müssen wirauf den Prolog zu dieser Reise zurückgreifen, der sich im HauseSalvmon Heines vorher abgespielt hatte.

Die Tragödie „William Rntcliff" hatte von allen Arbeiten desDichters dem reichen Oheim bis jetzt am besten gefallen, wahrscheinlichweniger ihres poetischen Gehaltes, als des Ilmstandes wegen, daßHeine darin einen Hamburger Makler, den der Onkel mit seinemunbedingten Vertrauen beehrt hatte, der dasselbe jedoch, wie sichspäter erwies, durchaus nicht rechtfertigte, mit seinem vollen Namenunter die in dem Stücke vorkommenden Ganner eingereiht hatte.(Beiläufig bemerkt, wurde späterhin der Name deS betreffendenMannes aus Familienrücksichten umgeändert.) Als nun SalvmonHeine einst in aller Gemütlichkeit und froher Laune seinen Kaffeetrank, benutzte der Neffe diese Gelegenheit zu der Bemerkung: „Ichmuß das Land meines Ratcliff, ich muß England sehen." — „Soreise", erwiderte der Onkel. — „Aber in England ist sehr teuresLeben." — „Du hast ja erst unlängst Geld bekommen!" — „Ja,das ist für das tägliche Brot", entgegnete Heine schlagfertig, „aber