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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
96
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W Biographie.

selbst, daß er etwas sehr stark honorieren mühte, wenn ich etwa fürihn länger in England bleiben sollte." Mit größter Bereitwilligkeitwar Cotta, der das Talent Heines wohl zn schätzen wußte, ansdiesen Antrag eingegangen und hatte dem Dichter die annehmbarstenProPositionen gemacht. Er schlug ihm vor, mehrere Aufsätze über Englandgegen glänzendes Honorar für das „Morgenblatt" zn schreiben und nachseiner Rückkehr von London sich an der Leitung der im Cottaschen Ver-lag damals erscheinenden „Allgemeinen politischen Annalen" zu beteiligen.

Die Anträge Cottas beschäftigten auch Herc unausgesetzt, sowohlin Norderney wie in Wangeroge. Dort lelu. er mehrere Wochenfast ganz allein mit dein Schulmeister, da schon alle andern Bade-gäste fort waren. Endlich währte es ihm doch zn lange. Sein Haupt-gepäck hatte er schon früher vorausgeschickt, und nun wollte er miteinem Male mit seinem Bündel fort an die oldenburgische Küste undvon dort nach Hamburg reisen. ES vergingen aber lange Tage undes kam kein Schiff; der junge Dichter saß mit seinen Plänen undHoffnungen festgezaubert auf der einsamen Sanddiine. Endlich kamein Schiff und Heine ließ sich hinaufbringen — wie er Adolf Stahrspäter erzählte: zu Wagen. Bald aber kam Windstille, sie konntennicht ans Land und blieben so angesichts der Küste liegen, bis Heineungeduldig wurde und, die Ebbe benutzend, mit seinem Bündel aufdem Kopfe, die ganze Strecke bis ans Land durchs Meer ging. DieErinnerung an dieses Abenteuer sowie an das Schiffervolk vonWangeroge ergötzte ihn später noch oft.

Gegen Ende des Monats September traf er in Hamburg einund nun ging natürlich zuerst die große und längst erwartete Scenemit dem Onkel wegen des Kreditbriefes vor sich. Alle Vorwürfeüber grenzenlose Verschwendung, selbst die ernstlichen Drohungen, sichnie wieder mit ihm zu versöhnen, alles dies hörte Heine mit dergrößten Ruhe an. Als aber der Onkel endlich mit seiner Straf-predigt zn Ende war, da hatte der Neffe nur die eine Antwort:„Weißt du, Onkel, das beste an dir ist, daß du meinen Namenträgst." Sprach's und ging stolz aus dem Zinnner.

Diese kühne Äußerung hat Salomon Heine lange nicht ver-winden können, und als er später einmal seinem Neffen Maximiliandie Geschichte des Kreditbriefes erzählte, fügte er hinzu: „Denke dir,er rechnet es sich noch zur Tugend an, daß ich ihm für seine Briefean mich kein specielles Honorar zu zahlen brauche." Wirklich hatteihm Heine einst im Übermut geschrieben: „Jedes Wort, daS ichschreibe, ist bares Geld für mich."

Damals war dies freilich noch nicht der Fall, und Heine mußte,da die schroffe Auseinandersetzung mit dem Oheim doch einentieferen Eindruck auf ihn.gemächt hatte, als er zeigen mochte, nunallen Ernstes an seine Zukunft denken.