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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
83
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Biographie. 83

Als er nach wenigen Monaten aus der Enge des kleinstädtischenUniversittttslcbens hinaustrat in das buntbewegte Leben der Zeit,sollte ihm dieser tiefe Zwiespalt und dieses unselige Verhängnisnoch klarer zur Erkenntnis gelangen, die ihn fortan durchs ganzeLeben geleiteten.

VIII.

Heine hatte nun, wie vorher Byron, dem er sich besonders nahverwandt fühlte, die ernste Absicht, „Anstand und Politik" zu treiben.Hin sich für diesen Entschluß zu kräftigen und von den Strapazender juristischen Campagne zu erholen, machte er noch vorher eineBadereise nach Norderney, für die ihm Salomen Heine großmütigSO Louisdors bewilligt hatte.

Anfangs August trat er die Reise an, und bald fühlte er sichauf der damals noch recht einsamen Insel sehr heimisch. Das Lebender armen Fischer und ihre Seefahrten, das Kreuzen um die Insel,die Jagd am Strande, der große Sagenkreis, der sich hier gebildet,vor allem aber das Meer, beschäftigten ihn angelegentlich.

Unter solchen Anregungen entstand ans Norderney der ersteTeil der „Nordseebilder", die Heine kurz darauf an seinen gerade inBerlin weilenden Bruder Maximilian mit dem Bemerken sandte, imBeitschen Salon sie vorzulesen und, falls sie bei den Freunden ent-schiedenen Beifall fänden, am andern Mvrgen zu Gubitz zu bringen,damit sie im „Gesellschafter" abgedruckt würden. So fremdartig undeigentümlich diese Nordseebilder auch waren, der poetische Sinnjener Gesellschaft c.faßte ihren Reiz vollständig und schenkte ihnenden wärmsten Beifall.

Mit der Badegcsellschaft verkehrte Heine nur wenig; haupt-sächlich war es die Fürstin von HohensvlmS-Lich, eine FreundinVarnhagens, die dem jungen Dichter ihr Interesse zuwendete, undeine schöne Frau aus Celle, der Heine wieder ein mehr als gewöhnliches.Interesse schenkte.

Die Fürstin von Hohensolms, eine geistvolle, echt aristokratWeErscheinung, war mit Varnhagen und Rahel sehr befreundet, undgewann auch Heine bald lieb. Noch zwanzig Jahre später äußertedie Fürstin bei einem Besuche Varnhagens, sie habe Heine sehr gerngehabt und ihn für edel und aufrichtig gehalten; ein solcher Geis,könne nur das beste wollen, wenn er auch unleugbar seine nicht zuverteidigenden Unarten habe.

Einen besonders tiefen Eindruck brachte auf daS leicht em-pfängliche Gemüt des jungen Dichters die schöne Ccllenserin hervor;vielleicht waren sogar die schwermütigen Seufzer vom Meeresstrande„an Evelina" an die Adresse jener schönen Frau gerichtet! EinesTages saß Heine neben ihr in lebhafter Unterhaltung, als plötzlich

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