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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
82
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82 Biographie.

Die Taufe geschah in der Stille, in der Wohnung des Pfarrers.Getauft hat Magister Gottlob Christian Grimm, Pfarrer der evan-gelischen Gemeinde und Superintendent. Einziger Pate war derDoktor der Theologie und Superintendent in Langensalza, KarlFriedrich Ponitz. Und ein Zeuge jenes Aktes war dessen Sohn,der durch seine pädagogischen und philologischen Studien bekannteGehcimrat Ponitz in Berlin.

Die merkwürdigsten Zeugnisse aber für Heines Gesinnung sinddie Briefe an Moser aus jener Zeit, in denen er den treuen Freundwiederholt bittet, ihn nicht nach dem Maßstäbe seiner eigenen großenSeele zu messen! Diese Briefe über seinen eigenen Glaubenswcchsclund über das Renegatentum von Eduard Gans sind in der Thatvon tragischer Wirkung und ergreifendem Inhalt. Die erste Mit-teilung von dem vollzogenen Taufakt an Moser lautet folgender-maßen: „Vielleicht schicke ich Dir heute noch ein Gedicht ans dem.Rabbi', worin ich leider wieder unterbrochen worden. Ich bitte Dichsehr, das Gedicht, sowie auch was ich Dir von meinen Privatver-hältnisseu sage, Niemandem mitzntheilcn. Ein junger spanischer Jude,von Herzen ein Jude, der sich aber aus Luxusübermnth taufenlaßt, korrespondiert mit dem jungen Gchuda Äbarbanel und schicktihm jenes Gedicht, aus dem Maurischen übersetzt. Vielleicht scheuter es doch, eine nicht sehr noble Handlung dem Freunde unum-wunden zu schreiben, aber er schickt ihm jenes Gedicht —. Denknicht darüber nach."

Die Antipathie Heines gegen das Christentum begann eigentlicherst an dem Tage seines formellen Übertritts zu demselben; er haßtees, als ob es ihn zum Treubruch und Abfall verleitet oder veranlaßthatte, und dieser Haß machte ihn blind gegen die weltgeschichtliche Be-deutung des Christentums und seinen tiefen ethischen Lehrgehalt.

Fast alle Briefe aus jener Zeit können als Dokumente geltenfür die warme Anhänglichkeit Heines an seine Stammesgenossen, fürdie rührende Liebe, die gerade in den Tagen seines Abfalls von dergemeinsamen Idee um so tiefer und inniger in ihm lebte, je wenigersie sich laut äußern durfte.

Von dein Alpdruck des Judenhasses konnte er sich aber seinLeben lang nicht befreien, und am allerwenigsten erlöste ihn die Taufedavon. Keine Reform, keine Taufe erschloß dem Juden in dendreißiger Jahren die Pforten des socialen LcbcnS. DaS sah auchHeine bald ein und er schrieb: „Ist es nicht närrisch? Kaum binich getauft, so werde ich als Jude verschrieen .... Ich bin jetztbei Christ und Jude verhaßt. Ich bereue sehr, daß ich mich getauftHab'; ich seh' noch gar nicht ein, daß es mir seitdem besser ergangensei — im Gegenteil, ich habe seitdem nichts als Widerwärtigkeitenund Unglück."