duktionsverfahren beseitigt sind. Dies ist für den ungeübten Leser von Vorteil,für den geübteren ist es aber, wenn er daran geht, die Originalquellen zustudieren, geboten, auch mit solchen Fehlern sich bekannt zu machen. Dahersind die übrigen Tafeln in Offsetdruck hergestellt, der alle Schäden des Schreib-stoffes gut wiedergibt.
Uebungen.
Wir beginnen jetzt mit den Leseübungen.
Nr. 1 ist eine lateinische Urkunde des Stifts Fischbeck, die um 1206 datiertwird. Eine Datenangabe enthält die Urkunde nicht, das ehemals angehängteSiegel ist abgefallen,- der noch vorhandene Pergamentstreifen, an dem dasSiegel befestigt war, zeigt aber, daß es sich um eine Originalurkunde und nichtetwa um eine Copie handelt. In Fischbeck waren drei Aebtissinnen Berta, aufdie sich die Urkunde beziehen könnte. Berta I., urkundlich 1086—1101, kannder Schrift nach nicht in Betracht kommen. Berta II. von Stienwede oderStemwede, urkundlich 1186, schon eher; ihr folgte Berta III., urkundlich1207—1208, die ebenfalls in Betracht kommen könnte. In späterer Zeit kommtsonst keine Berta mehr als Aebtissin vor. Eine Priorin Gerburgis wird 1208urkundlich genannt und ist jedenfalls identisch mit der in der vorliegendenUrkunde genannten Priorin Gerburge. Die Datierung um 1206 wird daherwohl richtig sein. Die Eingangsformel ist in langgezogenen Minuskeln, dieübrige Urkunde in gotischen Minuskeln, doch machen sich noch einzelne Einflüsseder Majuskelschrift bemerkbar, z. B. bei manchen Stellen beim „R", namentlichin der Bindung mit vorhergehendem „o", während daneben häufig das kleinegotische Minuskel-„r° vorkommt. Wir müssen uns namentlich vergegenwärtigen,daß das „u" und „v" bis weit hinein in die neuere Zeit gleich gewertetwerden, sodaß das eine häusig steht, wo wir das andere erwarten. In denlateinischen Urkunden finden wir außerdem statt des „ae" der heutigen Schreib-weise regelmäßig nur ein „e". Die Wortabgrenzungen sind in der vorliegendenUrkunde manchmal nicht deutlich erkennbar; wir lesen daher „inaotidus" und„incklo" statt „in aatidus" und „in ckio" usw. Die vorliegende Urkundewimmelt, wie die Transcription (Uebertragung) zeigt, von Kürzungen, die wiruns besonders einprägen müssen, weil sie in den lateinischen Urkunden sichimmer wiederholen. Wir gehen der Reihenfolge nach: „sc" mit Endung da-hinter — sanot . . .; „di" mit einem Apostroph an dem „d" — cloi; „gra"mit einem Strich über dem „r" — Gratia; „abba" mit einem Haken durchdie beiden „bb" — akbatissa; „Qm" mit einem Strich über dem „m"— Hnoniain; eine Kürzung wie ein „z" am Ende des Wortes — . . us,z. B. „in aotikus"; ein Strich über einem Vokal bedeutet ausgefallenes „m"oder „n", z. V. „soliclnin" (Zeile 2 vorn) und „romunorativiris" (Zeile 6,2. Wort); „qd" mit darübergeschriebenem „i" ----- cMcl; „s" mit dahinter ge-schriebenem Semikolon oder „et"-Zeichen — sock; ein „et"-Zeichen siehe Zeile 2das vorletzte Wort. — Dem „p" ist besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden; istder nach unten gehende Strich durchstrichen, so bedeutet das „por-, pur-, por-",