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Handschriftenkunde für Familienforscher
Entstehung
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Zur Einführung.

s ist nicht der Zweck dieses Heftes, eine wissenschaftliche Handschriftenkundeder Öffentlichkeit zu übergeben. Bearbeitungen, namentlich der lateinischenHandschriftenkunde oder Paläographie für die Wissenschaft liegen bereits zahlreichvor; die hauptsächlichsten werden unten genannt werden. Dem Laien, der sichselbst mit Familienforschung befassen will, fehlt aber zu seinem Familienstudiummeist eine kurze Anleitung zum Lesen von Handschriften und namentlich dienötige llebung, auf die es letzten Endes hauptsächlich ankommt. Diesem Mangelsoll dies Heft in etwas abhelfen, obgleich es bei seinem geringen Ilmfangenatürlich manche Lücke lassen wird: Doch sagt ein altes Sprichwort: „liebungmacht den Meister". Ich bitte daher meine Leser, mir mit einer Lupe be-waffnet über alle in Strichätzung und Offsetdruck wiedergegebenen Beispiele zufolgen, so wird der Versuch ermutigen, auch an schwierigere Handschriften sich heran-zuwagen. — Eins ist vor allen Dingen nötig: sich bei dem Gelesenen stets denSinn klar zu machen, was bei dem Fehlen der Interpunktionen in älteren Hand-schriften oder bei falschen Interpunktionen nicht immer ganz leicht ist. Namentlichin älterer Zeit wiederholen sich in öffentlichen und Privaturkunden (Briefen)bestimmte Redewendungen, die man sich durch llebung einprägen mutz. Istdie Entzifferung an einer bestimmten Stelle schwierig, namentlich bei den sehrverschiedenartigen grotzen Buchstaben des 16. bis 18. Jahrhunderts, die manchmalsogar dem Geübten Schwierigkeiten machen, so ziehe man Stellen derselbenHandschrift zum Vergleich heran, wo sich diese Buchstaben wiederholen und woihre Bedeutung autzer allem Zweifel ist. Ich werde bei den llebungen, diewir demnächst zusammen vornehmen werden, aus solche Stellen besonders auf-merksam machen.

Es ist wohl kein Zufall, datz die Handschriftenkunde als geschichtliche Hilfs-wissenschaft einer Zeit ihr Entstehen verdankt, in der das kritische Studium derQuellen sich immer mehr an den Hochschulen ausbreitete, dem Ausgange des17. Jahrhunderts, dem Zeitalter des grotzen Historikers und Philosophen Leibnitz.Die kritische Beleuchtung der Quellen forderte die Beschäftigung mit denOriginalquellen. Das erste Werk über die neue Wissenschaft der „Diplomatik"gab der Franzose Mabillon in seinen „Os rs ckiploiriatioa libri VI" 1681heraus. Ihm folgten bald mehrere andere Franzosen, Niederländer und Eng-länder mit Veröffentlichungen über Urkundenlehre, besonders aber der MarqueseScipione Maffei, ein Italiener, der 1675 bis 1755 lebte. Die Benennung