Druckschrift 
Handschriftenkunde für Familienforscher
Entstehung
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schwieriger zu lesen ist, als die gemalte Schrift der gotischen Minuskel. DieKürzungen sind meist der letzteren entnommen, der Charakter der Handschriftist sonst ein ganz anderer (s. Abbildung Nr. 1 und 2). Wer sich eingehend mitmittelalterlicher lateinischer Paläographie beschäftigen will, für den wird es uner-läßlich sein, Adriano Capelli, Doxioon ^blzvoviatuvuin (deutsche Ausgabe,Leipzig fJ. I. Webers 1901) zur Hand zu nehmen, in dem die Kürzungender mittelalterlichen lateinischen Schrift behandelt werden. Für den Laien, derFamilienforschungen betreiben will, wird es aber in der Hauptsache genügen,wenn er sich die Vuchstabenformen und Kürzungen einprägt, die in FriedrichWecken, Taschenbuch für Familiengeschichts-Forschung (3. Aufl., Leipzig 1924sfVerlag Degener 6: Co.s) auf Seite 136 bis 151 enthalten sind; diese sind demebengenannten Werke von Capelli entnommen.

Zur Zeit des Beginnes der neueren Zeit, also mit dem Auftreten derReformation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, erfuhr auch die Schrifteine bedeutende Umwälzung und Umformung- die „deutsche Schrift" ging überdie gotische Cursive des 14. und 15. Jahrhunderts auf die gotische Minuskelzurück, was sich hauptsächlich in der deutschen Druckschrift „Fraktur" bemerkbarmachte; die lateinische Schrift, eine in den Humanistenkreisen gepflegte Cursive,lehnt an die karolingische Minuskel des 9. bis 11. Jahrhunderts an, sie wirdals Druckschrist „Antiqua" genannt.

Vis zum Beginne des 16. Jahrhunderts sind die Handschriften meistensleicht lesbar, wenn man die Buchstabenformen und die Kürzungen, sowie dieLigaturen (Verbindungen mehrerer Buchstaben untereinander) beherrscht. DieHandschriften weisen bis dahin noch wenig Individualität des Schreibers auf.Mit der freien Eeistesentwickelung seit Beginn der Reformation entsteht abereine mehr individuelle Handschrift, die je nach Anlagen des Schreibers leichtoder schwer zu entziffern ist. Die ganze Eeistesentwickelung des Volkes und desSchreibers macht sich aus der Handschrift bemerkbar. Im Zeitalter der Auf-klärung, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, werden daher die Handschriften ganzbesonders verworren und schwer zu entziffern, was notwendig auf die ganzegeistige Richtung der Schreiber und den wenigen Wert, den sie auf ihreSchreibereien legten, Rückschlüsse zuläßt.

Es wird sich immer empfehlen, wenn man einzelne Stellen von Schrift-stücken nicht entziffern kann, erst die lesbaren Stellen zu entziffern, um den In-halt des Schriftstücks ungefähr kennen zu lernen. Dann lese man nochmalsund gegebenenfalls mehrmals und versuche durch Vergleiche mit anderen Stellendesselben Schriftstücks die anfangs nicht entzifferten Stellen herauszubekommen.Eine gute Methode ist es auch, bei schwer lesbaren Handschriften, die ganzenSchriftstücke buchstäblich abzuschreiben, bei welchem Verfahren man sich dieeinzelnen Buchstaben am Besten einprägen kann. Gelingt es trotzdem nicht,alles zu entziffern, so wende man sich als letzte Hilfe an einen Fachmann.Ist ein solcher nicht zur Stelle, so mache man mit einem harten Bleistift einesorgfältige Pause der nicht entzifferten Stellen. Manchmal erschweren allerdingsFlecke und beschädigte Stellen im Schreibstoff (Pergament oder Papier) dieEntzifferung. Bei den später wiedergegebenen Proben kommen diese Beschä-digungen zum Teil nicht zum Ausdruck, weil sie durch das angewandte Repro-

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