166 V»ch der Lieder.
„O Madonna! sonnig wallei:
Deines Hauptes Strahlenlockcn;
Siißes Lächeln mild umspieletDeines Mundes heil'ge Rosen.
„O Madonna! deine AugenLeuchten mir wie Sternenlichter;Lebcnsschifflein treibet irre,
Sternlein leiten ewig sicher.
„O Madonna! sonder WankenTrug ich deine Schmerzenprüfung,
Frommer Minne blind vertrauend,
Nur in deinen Glitten glühend.
„O Madonna! hör mich heute,Gnadenvollc, wunderreiche,
Spende mir ein Huldcszeichcn,
Nur ein leises Huldeszeichen!"
Da thät sich ein schauerlich Wunder bekunden,Wald und Kapell' sind auf einmal verschwunden,Knabe nicht wußte, wie ihm geschehn,
Hat alles auf einmal umwandelt gcsehn.
Und staunend stand er im schmucken Saale,Da saß Madonna, doch ohne Strahlen;
Sie hat sich verwandelt in liebliche Maid,Und grüßet und lächelt mit kindlicher Freud'.
Und sieh! vom blonden Lockcnhaupte;Sie selber sich eine Locke raubte,
Und sprach zum Knaben mit himmlischem Ton:„Nimm hin deinen besten Erdenlvhn!"
Sprich nun, wer bezeugt die Weihe?Sahst du nicht die Farben wogenFlammig an der Himmelsbläue?
Menschen nennen's Regenbogen.
Englein steigen auf und nieder,
Schlagen rauschend mit den Schwingen,Flüstern wundersame Lieder,
Süßer Harmonie«: Klingen.
Knabe hat es wohl verstanden,
Was mit Sehnsnchtsglut ihn ziehetFort und fort nach jenen Landen,
Wo die Mhrtc ewig blühet.