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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
152
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Buch der Lieder,

Und am hellblaun, sternlosen HimmelSchweben die weißen Wolken,

Wie kolossale GötterbilderVon leuchtendem Marmor.

Nein, nimmermehr, das sind keine Wolken!Das sind sie selber, die Götter von Hellas,

Die einst so freudig die Welt beherrschten,

Doch jetzt, verdrängt und verstorben,

Als ungeheure Gespenster dahinziehnAm mitternächtlichen Himmel.

Staunend und seltam geblendet, betracht' ichDas luftige Pantheon,

Die feierlich stummen, grannhaft bewegte»Riesengestalten.

Der dort ist Kronion, der Himmelskönig,

Schneeweiß sind die Locken des Haupts,

Die berühmten, Olympos erschütternden Locken:

Er hält in der Hand den erloschenen Blitz,

In seinem Antlitz liegt Unglück und Gram,

Und doch noch immer der alte Stolz.

Das waren bessere Zeiten, o Zeus,

Als du dich himmlisch ergötztest

An Knaben und Nymphen und Hekatomben!

Doch auch die Götter regieren nicht ewig,

Die jungen verdrängen die alten,

Wie du einst selber den greisen Vater

Und deine Titanen-Öhme verdrängt hast,

Jupiter Parricida!

Auch dich erkenn' ich, stolze Juno!

Trotz all deiner eifersüchtigen Angst,

Hat doch eine andre das Zepter gewonnen,

Und du bist nicht mehr die Himmelskön'gin,

Und dein großes Aug' ist erstarrt,

Und deine Lilienarme sind kraftlos,

llnd nimmermehr trifft deine Rache

Die gottbefruchtete Jungfrau

Und den wundsrthätigen Gottessohn.

Auch dich erkenn' ich, Pallas Athene!

Mit Schild und Weisheit konntest du nicht

Abwehren das Göttervcrderben?

Auch dich erkenn' ich, auch dich, Aphrodite,

Einst die goldene! jetzt die silberne!

Zwar schmückt dich noch immer des Gürteln Liebreiz,