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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
153
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Die Nordsee.

Doch graut mir heimlich vor deiner Schönheit,Und wollt' mich beglücken dein gütiger Leib,Wie andre Helden, ich stürbe vor AngstAls Leichengöttin erscheinst du mir,

Venus Libitina!

Nicht mehr mit Liebe blickt nach dir,

Dort, der schreckliche Ares.

Es schaut so traurig Phöbus Apollo,

Der Jüngling. Es schweigt seine Lci'r,

Die so freudig erklungen beim Göttermahl.

Noch trauriger schaut Hcphaistos,

lind wahrlich! der Hinkende, nimmermehr

Fällt er Heben ins Amt,

lind schenkt geschäftig in der Versammlung

Den lieblichen Nektar. Und längst ist erloschen

Das unauslöschliche Göttergelächter.

Ich Hab' euch niemals geliebt, ihr Götter!

Denn widerwärtig sind mir die Griechen,lind gar die Römer sind mir verhaßt.

Doch heil'ges Erbarmen und schauriges MitleidDurchströmt mein Herz,

Wenn ich euch jetzt da droben schaue,

Verlassene Götter,

Tote, nachtwandelnde Schatten,

Nebelschwache, die der Wind verscheuchtlind wenn ich bedenke, wie feig und windigDie Götter sind, die euch besiegten,

Die neuen, herrschenden, tristen Götter,Die Schadenfrohen im Schafspelz der DemutO, da faßt mich ein düsterer Groll,

Und brechen möcht' ich die neuen Tempel,Und kämpfen für euch, ihr alten Götter,

Für euch und en'r gutes ambrosisches Recht,Und vor euren hohen Altären,Den wiedergebauten, den opferdampfenden,

Möcht' ich selber knieen und beten,lind flehend die Arme erheben

Denn immerhin, ihr alten Götter,

Habt ihr's auch ehmals in Kämpfen der MenschenStets mit der Partei der Sieger gehalten,

So ist doch der Mensch großmüt'ger als ihr,Und in Göttcrkämpfen halt' ich es jetztMit der Partei der besiegten Götter.