Buch der Lieder.
Worin sie nnkern wollten —
Und er stöhnt so laut, daß die weißen Möwen,
Aufgescheucht anS den sandigen Nestern,
Ihn herdenweis umflattern,
Und er spricht zu ihnen die lachenden Worte:
„Schwarzbeinige Vögel,
Mit weißen Flügeln, Meer überflattcrnde,
Mit krummen Schnäbeln Seewasscr saufende,Und thraniges Robbenfleisch fressende,
En'r Leben ist bitter wie enre Nahrung!
Ich aber, der Glückliche, koste nur Süßes!
Ich koste den süßen Duft der Rose,
Der Mondschein gefütterten Nachtigallbraut!
Ich koste noch süßeres Zuckerbackwerk,
Gefüllt mit geschlagener Sahne;
Und das Allersüßeste kost' ich,
Süße Liebe und süßes Geliebtsein.
„Sie liebt mich! sie liebt mich, die holde Jungfrau!Jetzt steht sie daheim am Erker des Hauses,
Und schaut in die Dämmrnng Hinalls auf die Landstraß',Und horcht und sehnt sich nach mir — wahrhaftig!Vergebens späht sie umher und sie seufzet,
Und seufzend steigt sie hinab in den Garten,
Und wandelt in Duft und Mondschein,
Und spricht mit den Blumen, erzählet ihnen,
Wie ich, der Geliebte, so lieblich binUnd so liebenswürdig — wahrhaftig!
Nachher im Bette, im Schlafe, im Traum,
Umgaukelt sie selig mein teures Bild,
Sogar des Morgens, beim Frühstück,
Ailf dem glänzenden Butterbrote,
Sieht sie mein lächelndes Antlitz,
Und sie frißt es auf vor Liebe — wahrhaftig!"
Also prahlt er und prahlt er,
Und zwischendrein schrillen die Möwen,
Wie kaltes, ironisches Kichern.
Die Dämmrnngsnebel steigen herauf;
Aus violettem Gewölk, unheimlich,
Schaut hervor der grasgelbe Mond!
Hoch aufrauschen die Meereswogcn,
Und tief aus hoch aufrauschendem Meer,
Wehmütig wie flüsternder Windzug,
Tönt der Gesang der Okeaniden,