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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
149
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Die Nordsee.

Von allen Weltkrcaturcn,

lind alle Weltkreaturcn erfreuend

Mit ihres Blickes Licht und Wärme;

Aber des Abends, trostlos gezwungen,

Kehre sie wieder zurück

Zn das nasse Haus, in die öden Arme

Des greisen Gemahls.

„Glaub mir's", — setzte hinzu der Freund,Und lachte und seufzte und lachte wieder —„Die führen dort unten die zärtlichste Ehe!Entweder sie schlafen, oder sie zanken sich,Daß hoch aufbraust hier oben das MeerUnd der Schiffer im Wcllengeränsch es hört,Wie der Alte sein Weib ansschilt:

„Runde Metze des Weltalls!

Strahlenbuhlende!

Den ganzen Tag glühst du für andre,Und nachts, für mich, bist du frostig und müde!"Nach solcher Gardinenpredigt,

Versteht sich! bricht dann aus in ThrünenDie stolze Sonne und klagt ihr Elend,

Und klagt so jammcrlang, daß der MeergottPlötzlich verzweiflungSvoll aus dem Bett springt,Und schnell nach der Meeresfläche heraufschwimmt,Um Luft und Besinnung zu schöpfen.

„So sah ich ihn selbst verflossene NachtBiS ait die Brust dem Meer enttauchen.

Er trug eine Jacke von gelbem Flanell,

Und eine lilienweiße Schlafmütz',

Und ein abgewelktes Gesicht."

5.

Der Gesang der Okeanidcn.

Abendlich blasser wird es am Meer,Und einsam, mit seiner einsamen Seele,

Sitzt dort ein Mann auf dem kahlen Strand,Und schaut todkalten Blickes hinaufNach der weiten, tvdkalten Himmelswvlbung,Und schaut auf daS weite, wogende Meer —Und über das weite, wogende Meer,Lüftesegler, ziehn seine Seufzer,

Und kehren zurück, trübselig,

Und hatten verschlossen gefunden da? Herz,