Die Nordsee.
Mit weißen Halskrausen und Ehrcnkeiten,Und langen Degen und langen Gesichtern,Schreiten über den wnmnclnden MarktplatzNach dem treppcnhohen Rathaus,Wo steinerne KaiserbilderWacht halten mit Zepter und Schwert.Unferne, vor langen Hänserreihn,Wo spiegelblanke FensterUnd pyramidisch beschnittene Linden,Wandeln seidenrauschende Jungfern,Schlanke Leibchen, die BlumengesichterSittsam umschlossen von schwarzen MützchenUnd hervorquellendem Goldhaar.
Bunte Gesellen, in spanischer Tracht,Stolzieren vorüber und nicken.
Bejahrte Frauen,
In braunen, verschollnen Gewändern,Gesangbuch und Rosenkranz in der Hand,Eilen, trippelnden Schritts,
Nach dem großen Dome,
Getrieben von GlockengeläuteUnd rauschendem Orgelton.
Mich selbst ergreift des fernen KlangsGeheimnisvoller Schauer!
Unendliches Sehnen, tiefe WehmutBeschleicht mein Herz,
Mein kaum geheiltes Herz;
Mir ist, als würden seine WundenVon lieben Lippen aufgeküßt,
Und thllten wieder bluten, —
Heiße, rote Tropfen,
Die lang und langsam niederfallnAuf ein altes Haus, dort untenIn der tiefen Meerstadt,
Auf ein altes hochgegiebeltes Haus,DaS melancholisch menschenleer ist,
Nur daß am untern FensterEin Mädchen sitzt,
Den Kopf auf den Arm gestützt,
Wie ein armes, vergessenes Kind —
Und ich kenne dich, armes, vergessenes Kind!
So tief, mcertief alsoVerstecktest du dich vor mir