124 Buch der Lieder.
„Jenes böse, kalte Zucken,
Das erschreckt mich jedesmal,
Doch die dunkle Angst beschwichtigtDeiner Augen frommer Strahl.
„Auch bezweifl' ich, daß du glaubest,Was so rechter Glaube heißt, —
Glaubst wohl nicht an Gott den Vater,An den Sohn und heil'gen Geist?"
Ach, mein Kindchen, schon als Knabe,Als ich saß auf Mutters Schoß,
Glaubte ich an Gott den Bater,
Der da waltet gut und groß!
Der die schöne Erd' erschaffen,
Und die schönen Menschen drauf,
Der den Sonnen, Monden, SternenVvrgezeichnet ihren Lauf.
Als ich größer wurde, Kindchen,
Noch viel mehr begriff ich schon,Ich begriff und ward vernünftig,
Und ich glaubt' auch an den Sohn;
An den lieben Sohn, der liebendUns die Liebe offenbart,
Und zum Lohne, wie gebräuchlich,Von dem Volk gekreuzigt ward.
Jetzo, da ich ausgewachsen,
Viel gelesen, viel gereist,
Schwillt mein Herz, und ganz von HerzenGlaub' ich an den heil'gen Geist.
Dieser that die größten Wunder,Und viel größ're thut er noch;
Er zerbrach die Zwiugherrnburgen,Und zerbrach des Knechtes Joch.
Alte Todeswunden heilt er,
Und erneut das alte Recht;
Alle Menschen, gleichgeboren,
Sind ein adliges Geschlecht.
Er verscheucht die bösen NebelUnd das dunkle Hirngespinst,
Das uns Lieb' und Lust verleidet,Tag und Nacht uns angegrinst.