114 Buch der Lieder,
„Mücken stachen mich, Geliebter,Und die Mücken sind im SommerMir so tief verhaßt, als wären'sLangenas'ge Judcnrvttcn,"
Laß die Mücken und die Juden,Spricht der Ritter, freundlich kosend.Von den Mandelbänmcn fallenTausend weiße Blütenflocken,
Tausend weiße BlütenflvckcnHaben ihren Duft ergossen, —
Aber sage mir, Geliebte,
Ist dein Herz mir ganz gewogen?
„Ja, ich liebe dich, Geliebter,Bei dem Heiland sei's geschworen,Den die gottverfluchten JudenBoshaft tückisch einst ermordet,"
Laß den Heiland und die Juden,Spricht der Ritter, freundlich kosend.In der Ferne schwanken traumhaftWeiße Lilien, lichtnmflvsscn,
Weiße Lilien, lichtumflosscn,
Blicken nach den Sternen droben, —Aber sage mir, Geliebte,
Hast du auch nicht falsch geschworen?
„Falsch ist nicht in mir, Geliebter,Wie in meiner Brust kein TropfenBlut ist von dem Blut der MohrenUnd des schmutz'gen Judeuvolkes,"
Laß die Mohren und die Juden,Spricht der Ritter, freundlich kosend;Und nach einer MyrtenlaubeFührt er die Alkadentochter.
Mit den weichen LiebesnckcnHat er heimlich sie umflochten!
Knrze Worte, lange Küsse,
Und die Herzen überflössen.
Wie ein schmelzend süßes BrautlicdSingt die Nachtigall, die holde;Wie zum Fackeltanze hüpfenFeuerwürmchen auf dem Boden.