Junge Leiden. 37
„Jehovah! dir kiind' ich auf einig Hahn, —
Ich bin der König von Babyion!"
Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward's heimlich im Busen bang.
Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.
lind sieh! und sieh! an weißer WandDa kam's hervor, wie Menschenhand;
Und schrieb, und schrieb an weißer WandBuchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.
Der König stieren Blicks dasaß,
Mit schlotternden Knien und totenblaß.
Die Knechtenschar saß kalt durchgraut,
Und saß gar still, gab keinen Laut.
Die Magier kamen, doch keiner verstandZu deuten die Flammenschrift an der Wand.
Belsazer ward aber in selbiger NachtVon seinen Knechten umgebracht.
11.
Die Minnesänger.
Zn dem Wcttgesange schreitenMinnesäuger jetzt herbei;
Ei, das giebt ein seltsam Streiten,Ein gar seltsames Turnei!
Phantasie, die schäumend wilde,Ist des Minnesängers Pferd,
Und die Kunst dient ihm zum Schilde,Und das Wort, das ist sein Schwert.
Hübsche Damen schauen munterVom beteppichten Balkon,
Doch die rechte ist nicht drunterMit der rechten Lorbeerkron'.
Andre Leute, wenn sie springenIn die Schranken, sind gesund;
Doch wir Minnesänger bringenDort schon mit die Twdeswuud'.