33 Buch der Lieder.
lind wem dort am besten dringetLicderblnt ans Herzensgrund,
Der ist Sieger, der erringetBestes Lob ans schönstem Mund.
12.
Die Fcnstcrschiul.
Der bleiche Heinrich ging vorbei,
Schön Hedwig lag am Fenster.
Sie sprach halblaut! „Gott steh mir bei,Der unten schaut bleich wie Gespenster!"
Der unten erhob sein Aug' in die Höh',Hinschmachtend nach Hedcwigs Fenster.Schön Hedwig ergriff es wie Liebesweh,Auch sie ward bleich wie Gespenster.
Schön Hedwig stand nun mit LiebesharmTagtäglich lauernd am Fenster.
Bald aber lag sie in Heinrichs Arm,Allnächtlich zur Zeit der Gespenster.
13.
Dcr wnndc Ritter.
Ich weiß eine alte Kunde,Die hallet dumpf und trüb;Ein Ritter liegt liebcswunde,
Doch treulos ist sein Lieb.
Als treulos muß er verachtenDie eigne Herzliebste sein,Als schinchflich muß er betrachtenDie eigne Liebespein.
Er möcht' in die Schranken reitenUnd rufen die Ritter zum Streit:„Der mag sich zum Kampf bereiten,Wer mein Lieb eines Makels zeiht!"
Da würden wohl alle schweigen,Nur nicht sein eigener Schmerz;Da müßt' er die Lanze neigenWiders eigne klagende Herz.