Biographic. 53
Durch Eduard Gans eröffnete sich Heine in Berlin ein neuerKreiS gleichgcsinnter und gleichstrebeudcr Glaubensgenossen, die allevon mehr oder minder bedeutendem Einflüsse auf seine Person unddie Art seines Schaffens waren. Zu diesen gehörten vor allen außerEduard Gans noch M o s e s M o s e r, Leopold Znnz, Josef Lehmann u. a.M. Moser wurde bald der intimste Freund Heines, der ihm denNamen „Marquis Posa" beigelegt hatte. Von kleiner Statur, ge-bückter Haltung, kränklichem Aussehen, mit schwärmerisch klugen Augen,die durch viele Nachtarbeiten gerötet waren, einer exakten Redeweisesich befleißigend, gewann er schon bei der ersten Unterhaltung dasVertrauen jedes Fremden und man sagte sich bald, daß dieser kleineMann ein bedeutender, ja ungewöhnlicher Mensch sei, „mit einemVerstände, dem die größte Bescheidenheit zur Seite stand, mit einemHerzen, das in voller Aufopferungsfähigkeit für die höchsten Güterder Menschheit schlug, mit einer Seele, welcher Freundschaft undMenschenliebe noch echte wahre Begriffe waren." Moser war eintüchtiger Geschäftsmann, aber auch ein bedeutender Gelehrter. Jedefreie Stunde benutzte er zu umfassenden Studien. Seine Kenntnisder alten und neuen Sprachen war bewundernswert; sein Interessefür Poesie und Littcratnr stets rege. Er war ein begeisterter An-hänger der Hegelschcn Philosophie, der er in allen Wandlungen derZeit unerschütterlich treu blieb. Ein versöhnlicher Charakter, mildund liebreich gegen andere, war er gegen sich selbst streng und mora-lisch fest. Daß ein solcher Mann auf Heine bedeutenden Einfluß übenmußte, ist leicht erklärlich. Abgesehen davon, daß Moser Heine auchmateriell unterstützte, und ihn aus seinen ewigen Geldverlegenheitenoft befreite, förderte er ihn auch sonst auf jede mögliche Weise.
Ganz anders geartet war Eduard Gans. Er war ein geist-reicher Schönredner, gelehrt, aber unklar in seinem Wollen und Streben,und überaus eitel.
Im Gegensatze hierzu war Leopold Znnz eine der gediegenste»und bedeutendsten Persönlichkeiten aus dem Freundeskreise Heines;eine eigentümliche Erscheinung, dem Bilde Spinozas etwas ähnlich,von seltener Schlagfcrtigkeit, stupender Gelehrsamkeit und einem barockentalmudischen Witze; so ist Zunz noch heute eine der bekanntesten undliebenswürdigsten Erscheinungen des alten Berlin. Die sogenanntenZunz-Witze gehen noch heute wie eine Legende durch alle gebildetenKreise; was ihn aber vor allem auszeichnet und unvergängliche Be-deutung verleiht, das sind seine großen Verdienste um die Wissenschaftdes Judentums, deren Regenerator er in trüber Zeit geworden ist.
Diese drei Männer, Zunz, Gans und Moser, wußten Heine inmerkwürdiger Weise für die Interessen seines Stammes und seinerGlaubensgenossen zu begeistern. Während er in heiterer FreundeKreis Nächte dnrchschwärmtc und Abende lang Poetische und ästhetische