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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
56
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56 Biographie.

Salons frequentierte, und obwohl die juristischen Brotstndien wiederin ihre Rechte getreten waren und ihn oft die höchsten Fragen derPhilosophie und Wissenschaft fesselten, beschäftigten ihn doch auch ange-legentlich und nachhaltig die damaligenZustünde seiner Glaubensgenossen.

Denn Heine war ein Jude, und daß er dies nicht vergaß, mittenim Taumel eines bacchantischen Lebens, mitten unter den dem Juden-tum gehässigsten Einflüssen, im Verkehr mit Rahel Lewin, HenrietteHerz und andern Frauen jenes genial-liederlichen Kreises, die alleabtrünnige Töchter ihres Glanbens waren und dem Judentum fremd,ja sogar feindlich gegenüber standen, in einer Gemeinde, von der dergrößere Teil innerhalb weniger Jahre zur herrschenden Kirche über-gegangen war, das zeigt, daß die Einflüsse und Stimmungen mächtigin seiner Seele lebten, die ihn an seinen damals noch geknechtetenund mißachteten Stamm ketteten.

Gans, Zunz und Moser hatten am 27. November 1819 in Berlineinen „Berein für Kultur und Wissenschaft der Juden" gegründet.Den äußeren Anlaß hierzu gaben die rohen Angriffe, welchen dieJuden gerade in jenein Jahr von dem deutschen Straßen- undLitteratnr-Pöbel ausgesetzt waren, das Hauptmotiv war das Bestreben,durch diesen Verein auf die Kultur der Juden und auf die Reformdes Judentums fördernd einzuwirken.

Das Ziel war allerdings ein hohes, des Schweißes der Edlenwertes, die Idee eine hochflicgend große, aber unausführbare. Dieerste Ordensbedingnng der Gründer des Vereins war, treu bei deinJudentum auszuharren, um keinen Preis zur herrschenden Kircheüberzutreten und so der jüngeren Generation ein leuchtendes Beispielvon märtyrerfreudigem Glaubenswut zu geben. Wäre der Vereindiesem Programm treu geblieben, so hätte er auch sein Ziel erreicht.Aber es war ein kühner und vermessener Gedanke, der den Hinter-grund jener Bestrebungen bildete. Der Gedanke der vollständigenReform eines Stammes, der mit merkwürdiger Festigkeit und einerZähigkeit, die ihresgleichen nicht kennt, unerschiittert von den Wogender Nölkergeschichte und den Stürmen der Zeit, Jahrtausende hin-durch in Druck und Qual, in zahllosen Leiden und Verfolgungendem Glanben der Väter treu geblieben und den nun jene jugendlichenBrauseköpfe mit einem Male ganz von den Tafeln der Geschichte weg-wischen wollten, war kühn und abenteuerlich. Und eben diese Un-klarheit des WollenS war eS, dieses unsichere Umhertasten, das denVerein, trotz der gediegenen Kräfte, über die er verfügte, nach wenigenJahren schon zersplitterte.

Einer der wenigen, denen eS ernst war um die gemeinsame Sacheund der ein Herz hatte für die Leiden seines Stammes, war Heine,der am 4. August 1822 dem Verein beitrat und bald eins dereifrigsten Mitglieder wurde. Er wohnte den Sitzungen des Vereins