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Biographie.
I
Und hier liegt der mächtige und nachhaltige Einfluß, den Hegelund seine Philosophie ans Heine ausübten. War dies ja die Zeit,wo er, wie er sich später drastisch ausdrückt, „bei den Hegelianerndie Schweine hütete!" Aber es ist keine Frage, daß die HegelschePhilosophie den Grnndzug jener scharfen Dialektik bildet, der Heines pro-saische Schriften durchweht und ihnen jene eigentümliche Würze perleiht.
Über seine Persönlichen Beziehungen zu Hegel und über seineStellung zu der Weltanschauung des Philosophen hat Heine sich späteröfter, am eingehendsten in den „Geständnissen", ausgesprochen.
DaS Wesen der Hegelschcn Philosophie ging Heine freilich erstpiclc Jahre spater auf, als er eS unternahm, in Paris „aus demabstrakten Schul-Jdivm jene Formeln in die Muttersprache des ge-sunden Verstandes und der allgemeinen Verständlichkeit, ins Fran-zösische, zu übersetzen". Er hatte damals die Absicht, eilte allgemeinverständliche Darstellung der ganzen Hegelschen Philosophie zu gebenund beschäftigte sich zwei Jahre mit dieser Arbeit, doch als das Werkfertig mar, erfaßte ihn bei seinem Anblick „ein unheimliches Grauen"und es kam ihm vor, als ob das Manuskript ihn „mit fremden,ironischen, ja boshaften Augen ansähe. Ich war in eilte sonderbareVerlegenheit geraten; Autor und Schrift paßten nicht mehr zu-sammen — und an einem stillen Winterabend, als eben in
meinem Kamin ein starkes Feuer brannte, benutzte ich die schoneGelegenheit, und ich warf mein Manuskript über die Hegelsche Philo-sophie in die lodernde Glut ; die brennenden Blätter flogen
hinauf in den Schlot mit einem sonderbar kichernden Geknister.Gottlob, ich war sie los!"
Die Wahrheit dieser Mitteilung, die übrigens auch anderweitigbestätigt wird, vorausgesetzt, wird doch jeder unbefangene Beobachteraus den Werken Heines erkennen, daß er bis zu jenen „Geständnissen"mehr unter dem Einflüsse Hegels gestanden, als er selbst vielleichtgeahnt, jedenfalls aber gewollt hatte.
Die Vorlesungen Hegels in Berlin besuchte er mit großem Eifer ;ebenso eifrig besuchte er die Kollegia von Hagen über altdeutscheLitteratur, von Bopp über vergleichende Sprachwissenschaft, voll Wolfsüber die griechischen Klassiker und die juristischen Vorlesungen seinesFreundes und Protektors Eduard Gans.
Eduard Gans war einer der hervorragendsten Schüler Hegels;er baute dessen Rechtsphilosophie zu einem vollständigen System ausund wußte auch Heine für seine Anschauungen so zu begeistern, daßdieser mit dein Plan umging, ein „historisches Staatsrecht des ger-manischen Mittelalters" zu schreiben. Wenn man seinen Mittei-lungen an einen Hamburger Freund, Immanuel Wohlwill, glaubendarf, hatte Heine bereits im Jahre 1822 einen großen Teil dieserArbeit vollendet gehabt, dieselbe jedoch später vernichtet.