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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
53
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Biographie. 5?

Hegel war in Berlin der Nachfolger Füchtes nnd SvlgerS. Mitseiner Berufung nach dort im Jahre 1818 beginnt sein philosophischesSystem in Deutschland Epoche zu machen und gewinnt eine Perspektivevon bisher ungeahnter Tragweite. Wie dieses philosophische Systemalle Wissenschaften beleuchtete und dem Kulturleben neue Bahnenanwies, so mächtig und revolutionär wirkte eS auch auf jeden einzelnennnd kein Mitstrcbender vermochte sich seinen Konsequenzen zu ent-ziehen. Erfüllt von dem Geist unserer Klassiker, trat Hegel mit seinerPhilosophie auf den Plan, die wie eine Ausführung und Erfüllungalles dessen erschien, was bisher ans dem Gebiete der philosophischenSpekulation von einzelnen geleistet wurde. Gegenüber der roman-tischen Geheimphilosophie Schellings nnd seiner „Intuition" trat Hegelmit seiner dialektischen Methode auf, die von dem reinen Sein ausgeht,als dem Unmittelbaren und Voraussetzungslosen, das sich nach den not-wendigen Gesetzen des Denkprozcsses durch den Begriff zum Inhalt ent-wickelt. Der logisch gewonnene Begriff geht dann in sein Gegenteil, dieNatur, über; „die Natur ist der sich entfremdete Geist, der darin nurausgelassen ist, einbacchantischcrGott, dersichsclbst nicht zügcltund faßt."Gegenüber der Naturanbetung der philosophischen Romantik behauptetHegel, dahin ihr nur Willkür und Zufall herrsche; seine Naturphilo-sophie sondert sich in drei Systeme: Mechanik, Physik und Organik.

Die Idee kehrt aber aus der Natur wieder zu sich selbst zurück;während sie in der Logik „an sich", in der Natur „außer sich" war,wird sie als subjektiver Geist „an und für sich". Dem Begriff desGeistes als solchen schließt sich der objektive Geist, in dessen Gebietdie Rechtsphilosophie gehört, und dann der absolute Geist, der Kunst,Religion und Wissenschaft in sich faßt, an.

Bald bildete sich eine Hegelsche Schule, die die Philosophie desMeisters auf die einzelnen Zweige der Wissenschaft übertrug. DiePsychologie wurde von Rosenkranz und Erdmann, die Moral vonMichelet, die Jurisprudenz von Eduard Gans, die Theologie vonMarheineke, David Strauß, Rüge, Vatke, die Ästhetik von Hotho,Rosenkranz, Heinrichs, Bischer u. a. bearbeitet. So wurde der abso-lute Idealismus der Hegelschen Philosophie, die Idee eines geschichtlichenProzesses ewig fortschreitender Entwicklung, die Parole des Jahr-hunderts, das Motto aller geistigen Bewegungen und Kämpfe derjungen Generation. Indem Hegel an die Stelle der Willkür dieVernunft gesetzt und den Ausspruch gcthan hatte: „Was vernünftigist, das ist wirklich, und was wirklich ist, das ist vernünftig" — einSatz, der allerdings vielfach mißverstanden und zu reaktionärenZwecken mißbraucht wurde —, stürzte er die Romantik von ihremThron und gab dein jungen littcrarischen Nachwuchs die kritischenWaffen in die Hand, dieselbe wirksam zu bekämpfen nnd ihren Poe-tischen Spuk in sein inhaltloses Nichts aufzulösen.