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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
52
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52 Biographie.

mit „Fuchs" anredete, waS diesen nicht wenig verdroß. Als Heineihn eines Tages frng: „Fuchs, ist dein Vetter zu Hause?" da brummteihm Schaller die übliche studentische Beleidigung ans. Das Duellmußte nun vor sich gehen, aber schon beim ersten Gange zeigte sich,daß beide ihre Schläger nicht zu handhaben verstanden. Das Duellendete damit, daß Heine sickp mit der rechten Lende an der Schläger-spitze seines Gegners aufrannte. „Stich!" rief er und sank zu Boden.Er hatte sich eine allerdings ungefährliche Wunde beigebracht, die abernach acht Tagen wieder vollständig geheilt war.

Der Vorfall trug dazu bei, daß Heine den Umgang mit jenenKreisen, die ohnedies in Berlin nur ein kümmerliches Dasein fristeten,fortan vollständig mied. Der Umstand, daß in der großen Stadt dieStudenten fast verschwanden und sich jedenfalls nicht die Geltungverschaffen konnten, wie in Bonn, Göttingen und andern Orten, ver-hinderte zunächst jene studentischen Ausschreitungen, durch welche dasUniversitätslebcn im ersten Viertel dieses Jahrhunderts berüchtigtwurde. Für die eigentlichen Korpsstudenten war Berlin durchauskein angenehmer Ort, sie fühlten sich in der Großstadt nicht wohl,weil sie dort keinen Boden fiir ihre Renvmmistereien fanden.

Die junge Hochschule in Berlin befand sich damals im Aufblühen.Ihr Ruf verbreitete sich über ganz Europa und aus allen Ländernkamen Jünger der Wissenschaft nach Berlin, um da ihre Studien zuvollenden. Hierzu trugen vor allein die Namen der Lehrer bei, diean dieser Hochschule docierten; die Aufzählung der hervorragendstenNamen wird genügen, um ein Bild von der Blüte der damaligenBerliner Universität zu geben. Mit besonderer Vorliebe wurden dieNaturwissenschaften betrieben. Männer wie Alexander von Humboldt,Lichtenstcin, Mitscherlich, Ehrenberg, Knuth, Rose u. a. brachten dieNaturwissenschaften zu neuem Aufschwung. Geographie und Geschichtelehrten außer Humboldt noch Karl Ritter, L. v. Buch und F. Raumer.Wahrhaft glänzend waren die Sprachwissenschaften vertreten durchFranz Bopp, Aug. Boeckh, Wolfs, Becker u. a. An der juristischenFakultät lehrten Savigny, Klenze und Eduard Gans, an der medi-zinischen Hufeland, Jüngken, Kluge, Hein, Dieffenbach, an der theo-logischen Schleiermacher, Ncander und Marheineke. Der Stolz derBerliner Universität war aber die philosophische Fakultät und ihrhervorragendster Lehrer der Philosoph Hegel.

Hegels Berufung nach Berlin war das Hauptverdienst des MinistersAltenstein, dessen Name in derGeschichte der Wissenschaften und Künste inPreußen unvergänglichen Glanz bewahren wird. In trüber Zeit hatteFreiherr von Altcnstein daS Ministerium inPreußen übernommen; aberin wahrhaft freisinniger Weise hatte er dasselbe dreiundzwanzig Jahrelang, trotz aller Hemmnisse und Anfeindungen geleitet und stets dieFreiheit und Würde der Wissenschaft wie ein Palladium hochgehalten.