Biographie. 51
wenig. Außer seinen rheinischen Bekannten: Klein. Plücker, Welling,Herrmann Schiff und vor allem Christian Sethe, hatte er nur eineneinzigen Freund in jenen Kreisen, einen jungen Polen, den GrafenEngen von Brcza, der ihm besonders ans Herz gewachsen war undmit dem er sehr intim verkehrte. Als Graf Breza zu Ostern desJahreS 1822 Berlin verlassen mußte — wahrscheinlich infolge einesLiebeshandels — und sich nach Gnesen auf das Gut seines Vaterszurückzog, klagte ihm Heine nach: „Das war der einzigste Mensch,in dessen Gesellschaft ich mich nicht langweilte, der Einzige, dessenoriginelle Witze mich zur Lebenslustigkeit aufzuheitern vermochten,und in dessen süßen, edeln Gesichtszügen ich deutlich sehen konnte,wie einst meine Seele aussah, als ich noch ein schönes reines Blumen-leben führte und mich noch nicht befleckt hatte mit dem Haß und mitder Lüge." In den Sommerferien desselben Jahres folgte Heineeiner Einladung seines Freundes nach Gnesen und dieser Reise habenwir das treffliche Memoire über Polen zu verdanken, das bald daraufim „Gesellschafter" von Gubitz — durch die Censur allerdings stark ver-stümmelt — abgedruckt wurde, ein nicht gewöhnliches Aussehen erregteund zahlreiche Entgegnungen hervorrief. Der Aufsatz, der überKatholiken, Juden und Polen die geistreichsten Bemerkungen bringtund das Land selbst, vornehmlich aber die Hauptstadt Posen, aus-führlich schildert, hatte die ganze Provinz in lebhafte Bewegung ver-setzt und in den Posener Blättern wurde wohl dreimal soviel, als derganze Aufsatz beträgt, darüber geschrieben, „das heißt geschimpft".
In einem Sendschreiben an den Autor wurde Heine die größteIgnoranz vorgeworfen, weil dieser in Gnesen eine Kirchenthür vongeschlagener Bronze für ein Produkt aus Gußeisen angesehen, denErzbischof von Gnesen zugleich für den Erzbischof von Posen gehalten,das gar kein Erzbistum sei, und endlich sogar eine Schauspielerinbegeistert gelobt habe, die in Posen selbst niemandem, nicht einmalden Lieutenants der Garnison, gefiele!
Obwohl Heine, wie bereits bemerkt, mit Studentenkreisen garnicht verkehrte, wurde er doch auch in Berlin einmal in studentischeHändel verwickelt. Er selbst schreibt darüber in seiner „autobiogra-phischen Skizze": „Ich habe viertehalb Jahre in Berlin gelebt, woich mit den ausgezeichnetsten Gelehrten auf freundschaftlichem Fußestand, und Ivo ich von Krankheiten aller Art, unter anderem voneinein Degenstich in die Lenden heimgesucht worden bin, den mir eingewisser Scheller aus Danzig beigebracht, dessen Namen ich nie ver-gessen werde, weil er der einzige Mensch ist, der es verstanden hat,mich aufs empfindlichste zu verwunden."
Über das Duell selbst berichtet Herrmann Schiff nach dem Referateines noch lebenden Augenzeugen, daß es deshalb entstanden, weilHeine jenen Schaller — nicht Scheller — nach Studentenmanier stets