Druckschrift 
1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42 Biographie.

den Studiosus Ballender nuS Rheinpreußcn fordern lassen. DasDuell wurde jedoch durch den Prorektor Professor Tychsen, dem mandie Sache hinterbracht hatte, vereitelt; er diktierte beiden KontrahentenStubenarrest für den zum Duell erwählten Tag und bewog späterWiedel, seine Beleidigung zurückzunehmen.

Ob nnn die Forin und Art dieser Revokation oder ob die„authentische Erklärung" deS königlichen liniversitätsknratoriums keinebefriedigende war, die Streitigkeiten nahmen kein Ende, trotzdem beidenTeilen vom Univcrsitütsgericht unter Androhung strenger StrafenRuhe geboten ward. Die Affaire Heine-Wiebel beschäftigte die duell-wütenden Studentcnkreise mehrere Wochen sehr angelegentlich undfand erst ihren Abschluß vor den Schranken des Universittttsgerichts,welches am 23. Januar 1821 gegen Wilhelm Wiedel eine größereUntersuchung anstrengte, die beiden Sekundanten Ballender undRantzau mit acht Tagen Karzer bestrafte und Harry Heine daS von-siliurn absuncir auf sechs Monate erteilte.

„Selig dämmernd, sonder Harm,

Liegt der Mensch in Freundes Arm;

Da kommt plötzlich, ivie's VerhängnisDes Consilinms Bedrängnis,lind weit fort von seinen LiebenMuß der Mensch sich weiter schieben."

Mit diesen Versen tröstete Heine sich sehr rasch über den nichtallzugroßen Schmerz, Göttingen verlassen zu müssen. Unter demBorwande einer Erkrankung wurde ihm gestattet, noch mehrereWochen dort verweilen zu dürfen, bis die Erlaubnis der Eltern unddes Oheims sowie die nötigen Geldmittel anlangten, um den Aufent-halt in der zopfigen, alten deutschen Universitätsstadt mit dem Lebenin Berlin, der aufblühenden Residenz, zu vertauschen.

V.

Es war n^den letzten Februartagen des Jahres 1821, als derflotte Bruder Studio Harry Heine mit leichtem Sinne und nochleichterem Gepäck seinen Einzug in Berlin hielt, um daselbst zustudieren. Der grelle Kontrast zwischen dem Nebelheim der BonnerRomantik und dem Gelehrtcnzopf der KsorZiu LmAnsta, einerseitsund dem buntbewegten, farbeuschillernden, lustigen Treiben derKönigsresidcnz andererseits, behagte dem weltstürmenden Geiste desjungen Dichters ganz außerordentlich. Mannigfachste geistige An-regungen, das freie ungebundene Leben lockten Heine gewaltig, und mitallem Eifer nahm er die neuen Erscheinungen in sich auf, die dasdamalige Berlin ihm darbot.

Denn es war zu jener Zeit ein recht lustiges Treiben in Berlin!