Biographie. 41
Gesichter — da hast Du das hiesige Bnrschcnpcrsonal ... Ich höreBenekens Kollegium über altdeutsche Sprache mit großem Vergnüge».Denk Dir. Fritz, nur S (sage neun) Studios hören dieses Kollegium.Unter 1300 Studenten, worunter doch gewiß tausend Deutsche, sindnur neun, die für die Sprache, für das innere Leben und für diegeistigen Reliquien ihrer Väter Interesse haben. O Deutschland!"
Wr ersehen aus diesem Briefe, daß sich Heine in Güttingendurchaus nicht glücklich fühlte und daß der Schmerz seiner unglück-lichen Liebe und seines verfehlten Jugendlebeus noch mächtig nach-wirkte; wir ersehen aber auch daraus, daß er für alle seine Leidenweniger im „Ochsen" als in der Beschäftigung mit seinen poetischenArbeiten Trost und Ersatz fand. Hatte er doch im ersten Semesternicht ein einziges juristisches Kolleg belegt; dafür aber die Tragödie„Almansor" bis zum dritten Akte fertig gemacht und die bis dahinzerstreuten Gedichte gesammelt!
Er besuchte nun die Vorlesungen von Beneke und Sartorinsüber deutsche Litteratnr und Geschichte und lebte sonst ziemlich ab-geschlossen. Von den Professoren trat er nur Sartorins näher, „demgroßen Geschichtsforscher und Menschen, dessen Auge ein klarer Sternist in unserer dunklen Zeit und dessen gastliches Herz offen steht füralle fremden Leiden und Freuden, für die Besorgnisse des Bettlersund des Königs und für die letzten Seufzer untergehender Völkerund ihrer Götter." Sartorins. der die dichterische Bedeutung Heineserkannt hatte, prophezeite diesem eine große Zukunft, fiigte jedochhinzu: „Indessen man wird Sie nicht lieben."
Von den studentischen Kreisen, deren rohes Treiben ihn abstieß,hielt sich Heine in jener Zeit gänzlich fern. Seine Mittel hättenauch nicht ausgereicht, um mit den hochmütigen hannoverschen Junkern,die damals in Göttingen die Hauptrolle spielten, zu fraternisieren.In seiner „Harzreise" hat er dieses rauflustige Treiben der GöttingerStudenten ergötzlich verspottet.
Daß die materiellen Mittel Heines keine allzugroßen waren, erhelltauch aus seinen Mitteilungen über die Mutter, von der er berichtet:„Welche Aufopferung bewies sie dem Sohne, dem sie in schwierigerZeit nicht bloß das Programm seiner Studien, sondern auch dieMittel dazu lieferte! Als ich die Universität bezog, waren die Ge-schäfte meines Vaters in sehr traurigem. Zustande, und meine Mutterverkaufte ihren Schmuck, Halsband und Ohrringe von großem Werte, ummir das Auskommen für die vier ersten Universitätsjahre zu sichern."
Trotz seiner Abneigung gegen studentische Händel, wurde Heinein demselben Semester in einen Ehrenhandel verwickelt, infolgedessensein Aufenthalt in Göttingen einen jähen Abschluß fand. DerStudiosus Wilhelm Wicbcl ans Entin hatte einen beleidigendenAusdruck gegen Heine gebraucht und dieser hatte ihn deshalb durch