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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
33
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Biographie. 38

heiße» auch vulgo: Christen). Bcy so bcwandten Umständen läßtsich leicht voraussehe», daß Christliche Liebe die LiebeSlieder einesJuden nicht ungehudelt lassen wird. Da ist guter Rath thencr; auch ohnedies weiß ich nicht, wie man eine Bnchheransgabe bewerkstelligt, unddarin» sollst Du mich belehren, Christian; verstehst das ja besser.

Ich lebe hier ganz isvliert; anS obigen Andeutungen kannst DuDir dies sehr leicht erklären. — Mein Oheim lebt ans dein Laude.Dort geht es sehr geziert und geschwänzelt zu, und der freie, un-befangene Sänger sündigt sehr oft gegen die Etiqnctte. DiplomatischesFedervieh, Millionäre, hvchweise Senatoren u. s. w. sind keine Leutfür mich. Der homerisch göttliche herrliche Blücher aber war unlängsthier, und ich habe das Glück gehabt in seiner Gesellschaft zu speisenbeh Onkel; so ein Kerl macht Freude. — —

In relieuser Hinsicht habe ich Dir vielleicht bald etwas sehr ver-wunderliches mitznthcilcn. Ist Heine toll geworden? wirst Du aus-rufen. Aber ich muß ja eine Madonna haben. Wird mir dieHimmlische die Irdische ersetzen? Ich will die Sinne berauschen.Nur in deir unendlichen Tiefen der Mystik kann ich meinen unend-lichen Schmerz hinnbwttlzcn. Wie erbärmlich scheint mir jetzt daSWissen in seinem Bettlerkleid. Was mir einst durchsichtige Klarheitschien, zeigt sich mir jetzt als nackte Bloße.

.Werdet wie die Kindlein' lange wähnte ich dies zu verstehen, oich närrischer Narr! — Kindlein glauben. Heine."

Dieser Brief ist in der That cineS der wichtigsten Dokumentefür Heines Lebcnsgeschichte, weil er eine Periode dieses Dichtcrlebensgeradezu blitzartig erhellt, die bis jetzt in fast undurchdringlichesDunkel gehüllt war. Mit Recht bemerkt der Herausgeber diesesBriefes, daß die darin noch stammelnde Liebesleidenschast uns be-sonders eigentümlich anmute, „die sich durch Bürgcrsche Schreckcns-rnfe, durch Citate ans Goethes Tassv und französischen TragikernLuft macht, aber zugleich schon über eine Fülle eigener Ausdrücke

und Bilder verfügt Das Unbehagen in dem aufgedrungenen

Beruf, der eigentümliche Gegensatz zu dem reichen Oheim, die Ab-neigung gegen den Krämersinn der Kanfmannsstadt, daS drückendeGefühl der jüdischen Erniedrigung, kurz der ganze Heine zum Teilschon in den eigentümlichen Wendungen, tritt darin hervor."

Eine längst vergessene Zeitschrift „Hamburgs Wächter" brachtein zwei Nummern vom 27. Februar und vom 17. März 1817 dieersten jener Lieder; allerdings nicht unter dem Namen Heines, sondernunter dem schwerfälligen Anagramm „Sy Freudhold Riescnharf", daser aus den Buchstaben seiner Vaterstadt und seines eigenen Vor-nnd Zunamens künstlich zusammengestellt hatte.

Unter seinem Namen hätten diese Gedichte damals wohl inHamburg nicht erscheinen dürfen, da Harry Heine inzwischen mitHeinc'S Werke. I. Bd. (Biographie.) 3