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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
32
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32 Biographie.

und lieblich aussieht! — Llnssar nut niüil war immer meinWahlspruch. Alles au Allem.

Ich bin ein wahnsinniger Schach-Spieler. Schon beim erstenStein habe ich die Königin verloren, und doch spiel ich noch, undspiele um die Königin. Soll ich weiter spielen? — . . . .

Nur halte mich, o Gott, in sicherer Huth vor die schleichendefinstre Macht der Stunde. — Entfernt von ihr, lange Jahre glühendeSehnsucht im Herzen tragen, das ist Höllengnal und drängt höllischesSchmerzgeschrch hervor. Aber, in ihrer Nähe sehn, und doch ewiglange Wochen nach ihrem alleinseligmachenden Anblick oft vergebensschmachten, u — u — und — und — O! — O! O Christian! Dakann auch daS frömmste und reinste Gemüt in wilder, wahnsinnigerGottlosigkeit auflodern — ...

Seh nicht böse, Christian, ich bin Dir ja so gut, so gut, und binso gewaltig unglücklich dran. Willst Du mich anch verstoßen? Achdie Stimme im Herzen hat mich sehr getäuscht, wird sie auch diesmalLügnerin sein? Christian, sag Ja oder Nein. Du bist allein über-geblieben, sag Ja oder Nein. Bei allem, was Dir heilig ist, sagmir die Wahrheit. — Ja? nun so Hab ich auch Hoffnung, daß mir dieStimme des Herzens auch bch Mollh nicht lügt. Nein? nun —

Schreib bald, lieber Christian, Ja, willst Du?

Das ist auch eine herzkränkende Sache, daß sie ineine schöneLieder, die ich nur, nur für sie gedichtet habe, so bitter und schnöde ge-dcmüthigt und mir überhaupt in dieser Hinsicht sehr häßlich mitgespielthat. — Aber solltest Du eS wohl glauben, die Muse ist mir dcm-ohngeachtet jetzt noch weit lieber als je. Sie ist mir eine getreuetröstende Freundinn geworden, die ist so heimlich süß und ich liebesie recht inniglich.

Ich dichte viel; denn ich habe Zeit genug, und die ungeheureHandelsspeculativncn machen mir nicht viel zu schaffen; — ob meinejetzigen Poesien besser sind, als die früheren, weiß ich nicht; nur daSist gewiß, daß sie viel sanfter und süßer sind, wie in Honig getauchterSchmerz. Ich bin anch gesonnen, sie baide (es kann indessen dochviele Mvnathe danrcn) in Druck zu geben. Aber das ist die Schwere-nothssache: da es dazu lauter Minnelieder sind, würde es mir alsKaufmann ungeheuer schädlich sehn; ich kann Dir dieS nicht so genauerklären, denn Du kennst nicht den Geist, der hier herrscht, lindgegen Dich kann ichs aufrichtig gestehen: außerdem daß in dieserVchacherstadt nicht das mindeste Gefühl für Poesie zu finden ist, —-es sehen denn eigens bestellte und baar bezahlte Hochzeits-, Leichen-odcr Kindtanfs-Carminaden, — so hat sich auch noch dazugcscllt seiteiniger Zeit eine schwüle Spannung zwischen den getauften und un-getansten Juden (alle Hamlmrger nenne ich Inden und die ich umsie von den beschnittenen zu unterscheiden: getaufte Juden benamse,