84 Biographie.
Hilfe seines Oheims im Jahre 1818 sich selbständig etabliert nnd einKommissionsgeschäft in englischen Manufaktnrwaren nntcr der FirmaHarry Heine Comp, eröffnet hatte. Daranf beziehen sich anch die„nngehenrcn Handelsspeknlationen", von denen der Dichter in jenemoben erwähnten Briefe schreibt, die ihm allerdings so wenig znschaffen machten, daß er schon im Frühjahr des folgenden JahreS 1813daS Geschäft liquidieren mußte.
Sein inneres Leben war damals, wie er selbst spater sagte, einbrütendes Versinken in den düsteren, nur von phantastischen Lichternerhellten Schacht der Traumwelt; sein äußeres Leben allerdings „toll,wüst, cynisch, abstoßend", kurz er machte es zum schneidenden Gegen-sätze seines inneren Lebens, damit ihn dieses nicht durch sein Über-gewicht zerstöre! Eine andere Auffassung scheint freilich SolomonHeine gehabt zn haben, der für die Genialität seines Neffen aller-dings nur geringes Interesse zeigte. Erst nach dem Zusammenbruchdes Geschäftes in der Kleinen Nnckerstrnße, vorher am GraskcllcrNr. 139, gab er die Hoffnung auf, ans Harry Heine einen tüchtigenGeschäftsmann zu machen, lind erst nach vielen vergeblichen Bittennnd Versuchen entschloß er sich dazu, ihm großmütig die Mittel zumStudieren zu geben, mit der Bedingung, daß er sich dem juristischenStudium mit vollstem Eifer widme, den Doktorgrad erwerbe und sichdann in Hamburg als Advokat niederlasse.
Auch eine kleine Judenverfolgung hatte Heine noch in den letztenTagen seines Hamburger Aufenthalts erlebt und die Erinnerungdaran beschäftigte ihn wiederholt noch in späteren Jahren. DerJudenhaß, der während der Franzoscnzeit fast gänzlich geschwundenwar, begann in der Epoche der Restaurationspolitik wieder aufzu-dämmern. lind die freie Hansestadt folgte dem Beispiel willig, daSihr andere deutsche Städte, Würzburg voran, gegeben hatten. DerPöbel durchzog die Straßen mit dem Feldgeschrei „hcpp, hcpp",warf den Juden die Fensterscheiben ein und prügelte dieselben, sofernsie sich auf den Straßen sehen ließen. Zwei Nächte dauerten dieseUnruhen fort, bis ein Plakat der Behörde erschien, welches mit derDrohung schloß: die Garnison würde fortan scharf feuern. Damitwar die Judenhetze zu Ende und damit endeten auch die HamburgerLeidenszeit und die kaufmännischen Lehrjahre Heines, von denen erin Wahrheit nur einen einzigen Vorteil gezogen hat, — nämlich seineschöne Schrift. „Seine Handschrift war sauber und erinnerte aneine Kaufmannshaud, welche viel Allotria getrieben; bei ruhiger Ab-schrift ganz kaufmännisch fest und nur in starken Grundstrichen überden geschäftlichen Charakter hinausgehend, bei eiliger Zuschrift ohne dieseGrundstriche und in dünner Undeutlichkeit hinfahrend." Überhaupt warvon seiner Familie ein positiver Kaufmannsrcst in ihm verblieben.
Im Sommer 1820 verließ Heine Hamburg und kehrte nach