Biographic. 21
meiner Mutier über meine Erziehung und künftige Laufbahn, undin solcher Unterredung erteilte er ihr einstmals den Rat, mich demDienste der Kirche zu widmen und nach Rom zu schicken, um ineinem dortigen Seminar katholische Theologie zu studiereu; durch dieeinflußreichen Freunde, die der Rektor Schallmeyer unter den Prä-laten des höchsten Ranges besaß, versicherte er imstande zu sein, michzu einem bedeutenden Kirchenamte zu fördern." Frau Bctiy Heinelehnte diesen Antrag ab und in der That liegt schon in dem Ge-danken allein ein großer Humor: Heinrich Heine als graziösen rö-mischen Abbate oder gar mit dem roten Kardinalshute sich zu denken!Seine Mutter hatte allerdings hochflicgcndc Dinge mit.ihrem Harryim Sinn und sie spielte, wie er selbst sagt, „die Hauptrolle in seinerEntwicklungsgeschichte."
Für seine Lehrer, die meistens dem geistlichen Stande und demJesuitenorden angehörten, bewahrte Heine stets eine gewisse Ehrfurcht,indem er der Verdienste gedachte, die sie sich einst um ihn erworben,als sie seine ersten Geistesschritte leiteten.
Von diesen Lehrern nennt Heine in seinen späteren Erinnerungenaußer jenem Rektor Schallmeyer, der in den unteren Klassen Deutsch,in den oberen Philosophie unterrichtete, den Professor Schramm, „derein Buch über den ewigen Frieden geschrieben hat und in dessenKlasse sich meine Mitbuben am meisten rauften," der Professor Brcver,der Mathematik, den Abbs Daulnoie, der französische Rhetorik undPoesie und den Professor Kramer, der Latein und Griechisch lehrte.Über seine Fortschritte in den einzelnen Lehrgegcnständen macht erselbst die folgenden ergötzlichen Mitteilungen:
„In den dumpfen Bogengängen des Franziskanerklosters, unfernder Schnlstnbe, hing damals ein großer, gekreuzigter Christus vongrauem Holze, ein wüstes Bild, das noch jetzt zuweilen des Nachtsdurch meine Träume schreitet und mich traurig ansieht mit starren,blutigen Augen — vor diesem Bilde stand ich oft und betete: O, duarmer, ebenfalls gequälter Gott, wenn es dir nur irgend möglich ist,so siehe doch zu, daß ich die vsrdn irrsAnlnrin im Kopfe behalte.Vom Griechischen will ich gar nicht sprechen, ich ärgere mich sonst zuviel.Die Mönche im Mittelalter hatten so ganz Unrecht nicht, wenn siebehaupteten, daßdasGriechischeeineErfindungdesTcufelssei. Gott kenntdie Leiden, die ich dabei ausgestanden. Mit demHebrttischcn ging eS besser."
„Indessen von der deutschen Sprache begriff ich viel mehr, unddie ist doch nicht so gar kinderleicht."
„Auch in der Mythologie ging es gut. Ich hatte meine liebeFreude an dem Göttergesindel, das so lustig nackt die Welt regierte.Ich glaube nicht, daß jemals ein Schulknabe im alten Rom dieHauptartikcl seines Katechismus, z. B. die Liebschaften der Venns,besser auswendig gelernt hat, als ich."