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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
20
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2l) Biographie.

Kurfürst läßt sich bedanken." lind dann laS er wieder nnd bei denWorten'für die bewährte Unterthanslreue",nnd entbinden cncheurer Pflichten", da weinte er noch stärker. Ich aber ging nachHanse nnd weinte nnd klagte:Der Kurfürst läßt sich bedanken."Meine Mutter hatte ihre liebe Not, ich wußte, was ich wußte, ichließ mir nichts ausreden, ich ging weinend zu Bette nnd in der Nachtträumte nur, die Welt habe ein Ende....

.Als ich erwachte, schien die Sonne wieder wie gewöhnlich durchdaS Fenster, auf der Straße ging die Trommel nnd als ich in unsereWohnstube trat nnd meinem Bater, der im weißen Pndermantel saß,einen guten Morgen bot, hörte ich, wie der leichtfüßige Friseur ihmwährend des FrisierenS haarklein erzählte, daß heute ans dem Rat-hansc dem neuen Großherzvg Joachim gehuldigt werde, nnd daß dieservon der besten Familie sei nnd die Schwester des Kaisers Napoleonzur Frau bekommen und auch wirklich viel Anstand besitze nnd seinschönes schwarzes Haar in Locken trage und nächstens seinen Einzughalten und sicher allen Frauenzimmern gefallen müsse. Unterdessenging das Getrvmmel aus den Straßen immerfort, nnd ich trat vordie Hausthür und besah die einmarschierenden französischen Truppen,das freudige Volk dcS NuhmeS, das singend nnd klingend die Weltdurchzog, die heiter-ernsten Grenadiergesichter, die Bärenmützen, diedreifarbigen Kokarden, die blinkenden Bajonette, die Boltigcurs vollLustigkeit und xoint ck'bonnonr und den allmächtig großen, silbcr-gestickten Tambourmajvr, der seinen Stock mit dem vergoldetenKnopf bis an die erste Etage werfen konnte nnd seine Augen sogarbis zur zweiten Etage, wo ebenfalls schöneMädchcn amFenster saßen"...

Nie schwindet dieses Bild ( des Kaisers) aus meinem Gedächtnisse.Ich sehe ihn immer noch hoch zu Roß, mit den ewigen Augen, indem marmornen Jmpcratorgcsichtc, schicksalruhig hinabblicken ans dievorbcidcfilierenden Garden er schickte sie damals nach Rußland,nnd die alten Grenadiere schauten zu ihm hinauf, so schauerlich ergeben,so mitwissend ernst, so todesstolz ?s, Lnssur, rnorilmri snlntant!"

So waren die Eindrücke beschaffen, die das Leben jener Zeit indaS empfängliche Herz des Knaben nnverlöschlich einprägte; die Ein-drücke der Schule kamen dazu, um die tiefste und entscheidendeWirkung auszuüben. Jenes französische Lyceum, das Heine vonseinem zehnten Lebensjahre ab besuchte, wurde von einem katholischenGeistlichen, dem Rektor Schallmcyer, geleitet, der zugleich dendeutschen Sprachunterricht leitete und in den oberen Klassen Philo-ivphie lehrte. Dieser ziemlich liberale nnd geistig hochstehende Mannerkannte rasch die Bedeutung des zehnjährigen Knaben und leitetedeshalb seine Erziehung mit besonderer Umsicht. Auch war er einFreund dcS elterlichen Hauses, wie Heine in denGeständnissen"selbst erzählt:Der alte Herr besprach sich deshalb sehr oft mit