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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
22
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22 Biographie.

Am allerbesten aber erging es mir in der französischen Klassedes Abbs Danlnvie, eines emigrierten Franzosen, der eine MengeGrammatiken geschrieben, und eine rote Perücke trug, und garPfiffig umhersprang, wenn er seine ^.rt xostngus und seine Listoirsallömancko vortrug. Er war im ganzen Gymnasium der einzige,welcher deutsche Geschichte lehrte." Ein anderes Mal urteilt Heineüber denselben Lehrer allerdings minder günstig, indem er erklärt:Wenig fehlte, und er hätte mir nicht bloß die französische, sonderndie Poesie überhaupt verleidet."

Von dein Fleiß des Knaben erzählen alle seine Jugendfreundeans jener Zeit. Er arbeitete den ganzen Tag und nahm auch gegenden Willen der Eltern die Nacht zu Hilfe. Da seine Stube nichtgenug erwärmt war, zog er sich durch diese Nachtwachen eine schwereErkrankung zu. Später wußte er sich eine wollene Mütze und einengroßen Pelz zu verschaffen, um sich gegen die Kälte zu schützen.

Im zwölften Jahre hat Heine sein erstes Gedicht gemacht, daßsich freilich wesentlich an das Geburtstagspoem eines" älteren ver-gessenen Dichters Klamer Schmidt anlehnt:

O, habt ihr über Glück und Unglück noch Gewalt,Ihr Götter! gebt dem Glück auf heute viel Befehle,

Wenn Vater und der Mutter schone SeeleHent feiern ihren schönsten Tag!"

Düsseldorf, den 1.-Februar 1813. Harry Heine.

Vivat.

Verrät auch dieses Gedicht zum Hochzeitstage seiner Eltern nochkein besonderes Talent, so tritt dieses in den Versen desto deutlicherhervor, die Heine bald darauf dichtete; in diesen spricht sich bereitseine entschiedene Begabung aus und mit Recht ist bemerkt worden,daß dieselben in Inhalt und Ton, Versmaß und Darstellungswcisean die Dichtungen seines reisen Alters, namentlich anAtta Troll"erinnern. Es sind zwei Gesänge einerWünncbergiadc", eines Helden-gedichts, das Heine auf seinen Mitschüler im Lycenm, Wüuneberg,dichtete. Dasselbe ist wegen seiner Form merkwürdig, und weil esdas erste Gedicht von Heine ist es befindet sich nicht in seineugesammelten Gedichten, sondern ist erst neuerdings veröffentlichtworden von so großein Interesse, daß man es kennen lernenmuß, um die Begabung des Knaben und die Richtung, welche seinepoetische Entwicklung später genommen, zu verstehen.

Nach Heines eigenen Mitteilungen, deren Authenticitüt in diesemFalle jedoch anzuzweifeln ist, wäre'das GedichtBelsazar" im Buchder Lieder sein erstes gewesen.Ich habe dasselbe geschrieben,"erzählte er einem Freunde,bevor ich noch das sechzehnte Jahr zurück-gelegt. Und wissen Sie, was mich zu demselben inspiriert hat? Ein