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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
19
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Biographie. 13

glühende Patriotismus der Mutter Heines ab. Schon in jenerwiederholt erwähnten Korrespondenz an eine Freundin verleiht sieihren Klagen über das Elend des Kriegs beredten Ausdruck; siegedenkt mit Wehmut der Zeiten,wo Deutschland noch Deutschlandwar und wo alles, was deutsch sprach, Brüder waren" und ergießtihren Spott über die deutschen Truppenoder besser gesagt, pfälzischenEmigranten", die vor den ersten französischen Kugeln ReißanS nahmen.Eifrig las sie die Schriften deutscher Patrioten jener Zeit und ver-säumte später keine Gelegenheit, ihre Sohne auf das Unglück desVaterlandes und daS Elend der Kleinstaaterei aufmerksam zu machen.Versprecht mir," wiederholteste oft,nie in einem kleinen Staateeure Heimat zu suchen, wählt große Städte in großen Staaten, aberbehaltet ein deutsches Herz für das deutsche Volk!"

Samson Heine war zunächst ein Freund des Svldatenspiels;auch hatte er den Kaiser liebenswürdig gefunden, während BettyHeine zwischen scheuer Bewunderung und glühendem Hasse schwankte.Unter solchen Widersprüchen wuchs Harry ans und man muß sichdiese Erziehung, sowie die ganzen Jngendeindrücke des Knaben stetsvergegenwärtigen, wenn man sein dichterisches Schaffen und seineIndividualität vollständig erfassen und dem Manne nach allen Seitengerecht werden will.

Düsseldorf war damals die Hauptstadt des neuen HerzogtumsCleve-Berg, dessen Regentschaft im Jahre 1806 Joachim Mnrat übe»nvmmcn hatte, während der Kaiser sich die Oberherrschaft vorbehaltenhatte. Napoleon selbst war zweimal, im Jahre 1811 und 18 l2, inDüsseldorf gewesen; nicht anders und nicht besser kann man die Ein-drücke jener Zeit von der Herrschaft deS Kurfürsten Karl Theodorvon der Pfalz an bis zu Herzog Wilhelm und dann die französischeInvasion hindurch schildern, als dies Heine selbst in seinenNeise-bildern" gethan hat. Er erzählt aus seinen Jngendeindrücken folgendes:

Als wir eines Morgens zn Düsseldorf erwachten und GutenMorgen, Bater!" sagen wollten, da war der Bater abgereist und inder ganzen Stadt war nichts als stumpfe Beklemmung. Es warüberall eine Art BegräbniSstimmnng und die Leute schlichen schweigendnach dem Markte und lasen den langen, papicrnen Anschlag auf derThür des Rathauses. Es war ein trübes Wetter und der dünneSchneider Kilian stand dennoch in seiner Nankingjacke, die er sonstnur im Hause trug, und die blauwollenen Strümpfe hingen ihmherab, daß die nackten Beinchen betrübt hervorguckten und seineschmalen Lippen bebten, während er das angeschlagene Plakat vorsich hinmurmelte. Ein alter pfälzischer Invalid las etwas lauterund bei manchem Worte träufelte ihm eine klare Thrttnc in denweißen ehrlichen Schnauzbart. Ich stand neben ihm und weinte mitund frug ihn, warum wir weinten. Und da antwortete er:Der

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